Die Baukunst der traditionellen Moliceiros-Boote aus der Region Aveiro wurde offiziell in die Liste des dringend zu schützenden immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Entscheidung fiel am 9. Dezember 2025 während der 20. Sitzung des Zwischenstaatlichen Ausschusses für die Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in Neu-Delhi, Indien. 2022 war diese Baukunst bereits in Portugals Inventar des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.
Mit der jetzigen Auszeichnung soll die Aufmerksamkeit auf die traditionelle Schiffbaukunst der Moliceiros gelenkt werden. Die UNESCO betont, dass das Handwerk vom Aussterben bedroht sei: Nur noch fünf aktive Bootsbauer, von denen vier über 60 Jahre alt sind, praktizieren diese jahrhundertealte Technik.
Jorge Almeida, Präsident des Städtetages der Region Aveiro, nannte die Aufnahme einen „historischen Moment“ für die Region. Er betonte, dass diese Anerkennung die Rettung der Kunstform erleichtern und das Bewusstsein für die Tradition sowohl national als auch international stärken werde.
Auch der erfahrene Bootsbauer Marco Silva, der seit rund 20 Jahren Moliceiros baut, begrüßte die Entscheidung. Er beschreibt die Arbeit als anspruchsvoll und zeitintensiv: Jedes Boot benötigt zwei bis vier Monate, von der Auswahl des Holzes bis zur Fertigstellung. Silva warnte, dass ohne Maßnahmen zur Bewahrung der Tradition das Handwerk in 20 bis 30 Jahren vergessen sein könnte.
Zu den von der UNESCO vorgeschlagenen Maßnahmen zur Rettung dieser Bootsbaukunst gehört unter anderem die Einbindung der Technik in Ausbildungsprogramme und die mögliche Nutzung von Elektromotoren in Touristenbooten, um das Handwerk für die Zukunft zu sichern.
Noch immer fahren viele Moliceiros in der Ria de Aveiro, wo sie das lebendige Erbe der Region für Besucher sichtbar machen und die jahrhundertealte Tradition am Leben erhalten.

