Muscheln – Nicht nur ein Gaumengenuss
Was während der Pandemie als Hobby begann, hat sich zu beeindruckenden Kunstwerken aus Muscheln entwickelt. Dana Georgescu empfing uns in ihrem Zuhause und ließ uns an ihrem kreativen Schaffensprozess teilhaben
Text: Anabela Gaspar
in ESA 10/24
Als ich zum ersten Mal Dana Georgescus dreidimensionale Werke sah, trat ich neugierig näher und berührte vorsichtig eines der vielen Elemente, die aus der Leinwand hervorragten und zusammen ein abstraktes Muster bildeten. Es waren tatsächlich Muscheln, Seepocken und Seeigel. Überrascht musste ich lächeln. Ich liebe Dreiecks- und Miesmuscheln sowie Austern, aber nachdem ich sie verspeist habe, werfe ich die Schalen achtlos weg. Ich käme nie auf die Idee, daraus Kunstwerke zu gestalten – doch genau das macht Dana Georgescu.
Es wäre natürlich romantisch zu denken, dass Dana die Muscheln bei langen Strandspaziergängen sammelt. Doch beim Betrachten ihrer Werke wird schnell klar, dass dies unmöglich ist – nicht nur aufgrund der großen Menge, sondern auch der Art der Muscheln. Dana bezieht ihr „Arbeitsmaterial“ von lokalen Restaurants und Fischern. Erstere liefern ihr die Muschelschalen und Seeigel, letztere bringen ihr Korallen, die in ihren Netzen hängen bleiben und in Danas Kunstwerken Verwendung finden.
Die Restaurants ihres Vertrauens bewahren die Muscheln, die Sie Ihren Gästen zum Verzehr bieten auf, bis Dana sie abholt. Danach folgt ein aufwendiger Reinigungsprozess: „Ich wasche jede Muschel einzeln mit einer Bürste, um Rückstände zu entfernen. Dann lege ich sie für drei Tage in Bleichmittel und spüle sie danach gründlich mit heißem Wasser ab. Zum Trocknen kommen sie entweder in den Ofen, um alle Bakterien abzutöten, oder in die Sonne“, erklärt Dana. Während des Reinigens sortiert sie die Muscheln nicht nur nach Farbe und Größe, sondern auch beschädigten Exemplaren. Anschließend bewahrt sie die Muscheln in Kisten, die sie unter ihrem Arbeitstisch stapelt.
Der kreative Prozess beginnt mit einer Skizze. Die Muscheln werden dann auf eine Leinwand, eine Holzplatte oder eine runde Basis gelegt, um das geplante Design zu bilden. Als Klebstoff dient Pappmaché. Mit großer Sorgfalt setzt Dana jede Muschel mit einer Pinzette auf Pappmaché auf, bis die gesamte Fläche bedeckt ist. „Pappmaché ist ideal, weil es die Muscheln gut fixiert, und sobald es trocknet, hält es ein Leben lang“, sagt die Künstlerin. Nach dem Trocknen überprüft sie jede einzelne der Dutzenden oder gar Hunderte von Muscheln, um sicherzustellen, dass sie festsitzen. Der letzte Schritt ist das Auftragen eines klaren Lacks: Muschel für Muschel, auf beiden Seiten und mit einem Pinsel. Diese mühsame Arbeit führt schließlich zu einem beeindruckenden Endergebnis.
Dana schafft auch wunderschöne, dreidimensionale Blüten, die aus den Bilderrahmen herausspringen. Ihre Inspiration dafür fand sie in Van Goghs „Mandelbaum in Blüte“. Sie hat dieses berühmte Gemälde mit kleinen Muscheln nachgestellt und ging dann über zu den großen Blüten. Dies war jedoch in den frühen Tagen ihrer Arbeit mit Muscheln.
Anfangs, vor etwa vier Jahren, fertigte Dana kleinere Bilder und Dekorationsstücke mit Muscheln an, die sie in der Tat bei Strandspaziergängen sammelte. Andere kaufte sie online aus fernen Ländern wie den Philippinen. Einige ihrer Werke verkaufte sie in Kunsthandwerksläden. Doch als man sie bat, „in Massenproduktion“ zu gehen, spürte sie, dass dies nicht der richtige Weg für sie war. „Dasselbe Werk immer wieder zu reproduzieren, fühlte sich nicht richtig an. Ich merkte, dass das ein einschneidender Moment war, in dem ich eine Entscheidung treffen musste. Ich entschied mich für das kreative Schaffen“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Da ich keine formale Kunstausbildung hatte und nie künstlerisch gearbeitet hatte, war es ein Prozess des Lernens – mit vielen Versuchen, Irrtümern und Erfolgen“, erinnert sie sich. Ein sehr erfolgreicher Prozess, wie ich anmerken darf. Auf ihren Social-Media-Kanälen kann man die beeindruckende Entwicklung ihrer Werke über die vergangenen vier Jahre verfolgen, und man ist wirklich erstaunt.
Dana wünscht sich, dass ihre Werke bei den Betrachtern Emotionen wecken. „Nostalgie, Freude, was auch immer – solange sie etwas auslösen. Auch in mir wecken sie Emotionen. Hinter jedem Werk steckt eine Erinnerung an eine Begegnung oder ein Erlebnis, das ein bestimmtes Gefühl in mir weckte und mich dazu inspiriert hat, dieses Stück genau so zu gestalten“, erklärt sie. Dana liebt es, wenn Menschen ihren Arbeiten nahekommen und sie berühren. „Viele trauen sich nicht, aber ich ermutige sie immer, es zu tun. Ich selbst liebe es, die glatte, schimmernde Oberfläche der Muscheln zu spüren.“
Dana Georgescu
Mob.: 914 235 164
dana@danashellart.com
Instagram: danashellart
Facebook: Dana Shell Art

