Portugal führt 2026 ein landesweites Pfand- und Rückgabesystem für Einweggetränkeverpackungen ein – vier Jahre später als ursprünglich geplant. Ab dem 10. April 2026 sollen Kunden beim Kauf von Plastikflaschen oder Getränkedosen einen kleinen Betrag bezahlen, der bei Rückgabe der leeren Verpackung erstattet wird. Der genaue Pfandwert steht noch nicht fest.
Wie Umweltministerin Maria da Graça Carvalho im Parlament erklärte, wird es landesweit 8.000 Sammelstellen geben. Ziel des sogenannten Sistema de Depósito e Reembolso (SDR) ist es, die Sammelquote von Einwegverpackungen aus Kunststoff, Aluminium und Stahl deutlich zu erhöhen. Hinter dem Projekt steht die Vereinigung SDR Portugal, getragen von Getränkeherstellern und Handelsketten wie Coca-Cola, Super Bock, Sumol+Compal, Unilever, Lidl, Mercadona und Sonae MC. Das Investitionsvolumen liegt bei über € 100 Mio., davon € 70 Mio. in den ersten beiden Jahren. Die Organisation erwartet, innerhalb von drei Jahren eine Rücklaufquote von 90 % zu erreichen – ähnlich wie in Skandinavien oder Deutschland.
Laut einer Studie der Beratungsfirma 3drivers könnte das System die kommunalen Reinigungskosten um € 20 bis € 40 Mio. jährlich senken und zusätzlich bis zu 1.500 Arbeitsplätze schaffen – etwa in Wartung, Logistik und Recycling. Die Automaten sollen zunächst vor allem in Supermärkten stehen, langfristig aber auch an Schulen und touristischen Hotspots platziert werden. SDR Portugal sieht darin nicht nur einen Schritt zu mehr Kreislaufwirtschaft, sondern auch eine Chance für portugiesische Unternehmen, eigene Rückgabeautomaten zu entwickeln – denn bislang werden solche Geräte in Europa nicht produziert.

