Die Blaukrabbe (Callinectes sapidus) könnte zur ernsten Bedrohung für die Muschelzucht in der Ria Formosa werden. Die ursprünglich an der Ostküste der USA beheimatete hoch invasive Art wurde zunächst im Guadiana-Fluss entdeckt und hat sich inzwischen bis in die Lagunen der Ria Formosa ausgebreitet.
„In Italien war das ein großes Problem für die Muschelproduktion. Da die Ria Formosa einer der wichtigsten Standorte für die Aufzucht der begehrten Venusmuschel ist, könnte uns hier dasselbe drohen“, warnt Cátia Marques, Forscherin an der Pilotstation für Fischzucht in Olhão (EPPO) des Portugiesischen Instituts für Meer und Atmosphäre (IPMA).
Um der Verbreitung des aggressiven Krebses entgegenzuwirken, setzt das Forschungsprojekt Softcrab des Kooperationslabors S2Aqua, an dem unter anderem die Universität der Algarve und die EPPO beteiligt sind, auf eine ungewöhnliche Strategie: Die Wissenschaftler wollen Fischer dazu bewegen, den blauen Eindringling zu fangen – und ihn als Delikatesse zu vermarkten. „Er ist unglaublich schmackhaft“, versichert Marques.
Damit die Blaue Schwimmkrabbe jedoch auf portugiesischen Tellern landet, müsse zunächst Überzeugungsarbeit geleistet werden. Fischer sollen erkennen, dass sich daraus eine neue Einkommensquelle entwickeln kann. „Wenn wir es dann schaffen, Fischerei, Gastronomie und Catering zu vernetzen, können wir den Bestand dieser invasiven Art über den Konsum regulieren“, erklärt die Biologin. Auf diese Weise könnte die Ausbreitung des Krustentiers eingedämmt und gleichzeitig ein wirtschaftlicher Mehrwert geschaffen werden – statt einer Bedrohung also eine neue Ressource.

