Ein unscheinbares Insekt aus Australien könnte die Lösung für eines der größten ökologischen Probleme an der portugiesischen Küste sein: die Invasion der Kätzchenakazie (Acacia longifolia). Ein Forschungsteam der Universität Coimbra und der Hochschule für Agrarwissenschaften Coimbra hat nachgewiesen, dass das Insekt Trichilogaster acaciaelongifoliae die Samenproduktion der Pflanze um bis zu 98 % reduziert – und damit ihren Fortpflanzungszyklus nahezu stoppt. Das Insekt wurde 2015 nach jahrelangen Tests und Risikoanalysen in Portugal freigesetzt. Seitdem wurde seine Wirkung in mehreren Dünengebieten der Zentralküste über sechs Jahre hinweg beobachtet. „In Regionen, in denen das Insekt etabliert ist, ist die Samenproduktion fast vollständig verschwunden“, erklärt Liliana Neto Duarte, Hauptautorin der Studie.
Der winzige Gallwespen-Verwandte legt seine Eier in die Blütenknospen der Akazie. Die Pflanze reagiert darauf mit der Bildung sogenannter Gallen, wodurch sich keine Blüten – und somit weder Schoten noch Samen – entwickeln. Das verhindert, dass sich der Samenbestand im Boden weiter vergrößert, einer der Hauptgründe für die Beständigkeit der invasiven Art.
Neben der drastischen Reduktion der Samenmenge beobachteten die Forschenden auch ein sichtbares Schwinden der Baumvitalität, das in einigen Fällen bis zum Absterben führen kann. Der biologische Eingriff gilt als effektiv, sicher und nachhaltig, soll aber künftig mit mechanischen Maßnahmen kombiniert werden, um eine langfristige Kontrolle zu sichern.
„Dieser Ansatz durchbricht den Fortpflanzungszyklus der Akazie und ermöglicht die Regeneration einheimischer Dünenvegetation“, betont Elizabete Marchante vom Zentrum für Funktionale Ökologie der Universität Coimbra.

