Ein neues Pilotprojekt könnte die Betreuung von Schwangeren in Portugal grundlegend verändern. Im ersten Quartal 2026 soll die von der Pflegekammer (Ordem dos Enfermeiros, OE) vorgeschlagene Reform greifen: Schwangere mit geringem Risiko — vor allem solche ohne Hausarzt — sollen künftig von Fachpflegekräften für maternale und geburtshilfliche Gesundheit betreut werden. Konkret sieht das Programm vor, dass für je 75 Schwangerschaften eine Pflegefachkraft zuständig ist. Diese übernimmt die Betreuung während der gesamten Schwangerschaft, mit insgesamt zehn Terminen — der erste soll bereits in der sechsten bis neunten Woche stattfinden. Im Falle von Komplikationen erfolgt eine sofortige Überweisung an einen Gynäkologen. Die Initiative richtet sich zunächst auf strukturschwache Regionen: Die Pilotphase ist für die Península de Setúbal sowie das Gebiet Amadora-Sintra geplant, wo viele Schwangere derzeit ohne regelmäßige ärztliche Begleitung sind. Gründe sind insbesondere Ärztemangel und der Rückgang der allgemeinärztlichen Versorgung.
Laut OE und dem zuständigen Gesundheitsministerium soll der Schritt nicht den Arzt ersetzen. Vielmehr handele es sich um eine koordinierte Zusammenarbeit: Die Fachpflegekräfte übernehmen die Routinebetreuung, Ärzte stehen für komplexe Fälle bereit. So könnten Wartezeiten verkürzt, unnötige Besuche in Notfallambulanzen reduziert und werdende Mütter besser versorgt werden. Bei einem Treffen im Krankenhaus Garcia de Orta in Almada erläuterten die Verantwortlichen die Details.
Mit diesem Modell reagiert Portugal auf akuten Personalmangel und lange Wartezeiten im Gesundheitswesen — und rückt zugleich die Betreuung schwangerer Frauen ins Zentrum. Für viele Familien könnte das neue System eine spürbare Verbesserung darstellen, indem es Sicherheit, Kontinuität und niedrigschwellige Versorgung vereint.

