Magische Landschaften

Lagoa – Die goldene Küste

Nachdem die Sommerhitze nachgelassen hat, ist wieder Wandern angesagt! Für die Fitness und weil frische Salzluft sehr gesund ist, entschied ich mich für eine nicht allzu lange Route entlang der goldenen Küste von Lagoa

Die Küstenabschnitte zwischen Praia da Marinha und Benagil (s. ESA 1/14) und zwischen Praia da Marinha und Senhora da Rocha 
(s. ESA 2/14) sowie den Holzsteg zwischen der in Carvoei-ro hoch oben auf den Felsen thronenden 
Kapelle N. Sr. da Encarnação und dem idyllisch gelegenen Algar Seco (s. ESA 8/14) haben wir bereits vorgestellt. Daher steht nun der Abschnitt zwischen Praia Vale de Centianes und Benagil an, der, wie der Pfad Praia da Marinha bis Benagil, ebenfalls Teil der Route „Sete Vales Suspensos“ ist. Der Wanderweg wurde 2010 anhand bestehender Trampelpfade und Wege ausgeschildert. Den Namen „Vales Suspensos“ (Hängende Täler) verdankt die Route sieben Wasserläufen zum Meer, die die Felsenküste unterbrechen und im Laufe der Jahre die Täler ausformten.
Eine kleine Online-Recherche macht Wanderlustigen den Ausflug schon zu Hause am Computer schmackhaft. Die Benutzer der Tripadvisor-Webseite sind sich einig: Die Wanderung an diesem Küstenabschnitt ist ein Traum! An Adjektiven wie verzaubernd, fantastisch, perfekt, wunderbar oder atemberaubend wird nicht gespart. Meine Kollegin Susanne Röhl und ich haben also hohe Erwartungen. Das Wetter spielt mit und wir 
haben angenehme 24 Grad, eine leichte Atlantikbrise und 
einen strahlend blauen Himmel.

Start ist für uns am Strand Vale de Centianes. 
Dort stellen wir das Auto am Parkplatz ab und nehmen die Treppe links vom Strandzugang. Der Aufstieg ist eine gute Aufwärmübung für die kommenden zirka 3,5 Kilometer und oberhalb der Felsen angekommen, wird man für die Anstrengung auch gleich mit einem herrlichen Ausblick über den Strand und – bei klarem Himmel – über die gesamte Küste bis Lagos im Westen belohnt. Die Farbenkombination ist einfach wunderschön. Die goldenen Felsen, das türkisblaue Wasser, das Grün der Pinien und der blaue Himmel. Alles im Licht der Sonne schimmernd. Zwar ist dieser Abschnitt, wie man gleich zu Beginn der Wanderung merkt, stärker bebaut als der von Benagil bis Praia da Marinha, aber er ist trotzdem naturbelassen. Direkt an den Häusern sehen wir die erste der zirka zehn 
Dolinen, die es bis Benagil gibt. Die Holzbegren-zungen sollten unbedingt beachtet werden, denn sie markieren die Stellen, an denen die Gefahr eines 
Felsabbruchs besteht.

Kurz darauf erreichen wir einen Aussichtspunkt im Schatten einer Pinie, der zum Verweilen einlädt. Am gegenüberliegenden Felsen sind die Folgen der Erosion im Laufe der Jahrhunderte gut sichtbar. Man wird sich der Macht des Wassers bewusst, das hier so einladend schimmert. In dieser Karstlandschaft hat es Grotten, Bögen und Dolinen ausgehöhlt und tiefe Einschnitte gegraben, die den Wanderer einige Male dazu zwingen, landeinwärts zu gehen. Bevor wir also auf der anderen Seite wieder hoch oben auf die Felsen kommen, geht es hier zuerst etwas landeinwärts und steil hinunter. Anders als auf den Klippen, auf denen durch das trockene Klima und die salzhaltige Luft vor allem Mastixsträucher und einige andere Sträucher und Halbsträucher wie Thymbra- und Thymian-
Arten wachsen, sind in den Tälern Pinien, Wacholder, 
Kermes-Eichen und Zwergpalmen zu sehen und die Vegetation wächst dichter.
Nach dem steilen Aufstieg erreichen wir ein Plateau und kurz darauf erblicken wir den Leuchtturm von Alfanzina. Dieser war bereits in Plänen aus dem Jahr 1883 vorgesehen, doch die Bauarbeiten begannen erst 1915. Seit Dezember 1920 dient er nun Seeleuten zur Orientierung. Das Gebäude liegt vierzig Meter über dem Meeresspiegel, sein Turm ist achtzehn Meter hoch und seine beiden Lichtstrahlen alle fünfzehn Sekunden aus einer Entfernung von dreißig Seemeilen sichtbar. Erst in den 1960er Jahren, als Carvoeiro zu einem beliebten Reiseziel wurde, wurde eine Straße bis zum Leuchtturm gebaut. Der Stromanschluss kam dann in den 1980er Jahren. Die Wanderung geht hier entlang des Zauns landeinwärts weiter, um wenige Meter später in einen grünen Pinienwald zu führen, in dem eine Picknick-Anlage zu einer Stärkung und zum Ausruhen einlädt. Sonnenstrahlen dringen hier und da durch die Äste und verleihen dem kleinen Wald eine märchenhafte Atmosphäre. Außer Tischen und Bänken sind auch Feuerplätze vorhanden. Wenn man etwas weiter in den Wald gen Westen dringt, kommt man zu einem Trampelpfad, der links steil hoch zurück zum Parkplatz vor dem Leuchtturm führt. Ideal also für einen kleinen Spaziergang.

Nach einer kleinen Verschnaufpause im Schatten der Pinien geht es weiter gen Osten. Nach dem 
grünen Tal kommen wir zur mondähnlichen Landschaft des Leixão do Ladrão (Felsriff des Räubers), die ein perfektes Beispiel der hiesigen Karstlandschaft ist, in der das mit Kohlendioxid angereicherte und deshalb leicht saure Regenwasser eine Lösung des Kalziumkarbonats der Kalkfelsen verursacht, was den Fels zerklüftet und Spalten bildet, die sich dann ausweiten, wobei es zur Ausformung von Dolinen, den sogenannten Algares, kommt. Übrigens werden am Leixão do Ladrão auch Geocaching-Fans auf ihre Geschmack kommen.
An den Villen des Club Atlântico direkt oberhalb der Klippen vorbei, geht es weiter zum Strand Praia do Carvalho. Eine Treppe führt zum Parkplatz hinab und von dort geht es rechts wieder zu den Klippen. Der kleine Strand, der nur durch einen Tunnel im Felsen zugänglich ist, ist auch wegen seines Tunnels unterhalb des westlichen Felsens beliebt. Selbst Kinder haben ihren Spaß daran, den Tunnel zu erforschen und immer wieder durch die von der Erosion geformten Fenster auf das weite Meer zu blicken.
Nur wenige Minuten später kommen wir zu den Häusern von Terraços de Benagil und erblicken kurz darauf den pittoresken Strand des gleichnamigen kleinen Fischerdorfes. Auch hier gibt es eine Geocache zu entdecken. Knappe zwei Stunden haben wir gebraucht. Jede Sekunde hat sich gelohnt, den es sind magische Landschaften, bei deren Schaffung sich die Natur selbst übertroffen hat. Unsere Erwartungen wurden nicht nur getroffen, sondern übertroffen!
Text & Fotos: Anabela Gaspar
ESA 11/2015

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