Laut einer aktuellen Studie des ISCTE – Instituto Universitário de Lisboa – zeigen sich 96 % der Portugiesen über 45 Jahre besorgt um Umweltfragen, doch im Alltag bleibt das Engagement oft oberflächlich: Mülltrennung und das Wiederverwenden von Tüten gehören zu den häufigsten nachhaltigen Handlungen – doch 42 % geben an, diese in der letzten Woche nicht konsequent umgesetzt zu haben.
Die Untersuchung, geleitet von den Forscherinnen Sandra Godinho und Margarida Garrido, legt ein deutliches Missverhältnis zwischen Umweltbewusstsein und konkretem Verhalten offen. Viele der Befragten sehen sich durch wirtschaftliche Einschränkungen (39 %), mangelnde Infrastruktur (33 %) und fehlende politische Maßnahmen (30 %) daran gehindert, nachhaltiger zu handeln. Gleichzeitig herrscht die Meinung vor, dass der Staat und Unternehmen die Verantwortung für den ökologischen Wandel tragen sollten.
Nur 6 % zeigen eine besonders hohe Sensibilität für Umweltthemen, obwohl die Sorgen um Luftverschmutzung, Wassermangel und den Raubbau an natürlichen Ressourcen weit verbreitet sind. Die Studie kritisiert außerdem eine klare Ablehnung finanziell belastender Maßnahmen: 70 % sprechen sich gegen eine Fleischsteuer aus, 67 % gegen Abgaben auf fossile Brennstoffe.
Sandra Godinho betont: „Menschen über 45 sind nicht nur die Bevölkerungsmehrheit, sondern auch Meinungsbildner im Familien- und Konsumverhalten.“ Es brauche gezielte Informationskampagnen mit praktischen, kostenneutralen Alltagstipps, um das Verhalten nachhaltig zu ändern – etwa durch die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung oder bewussteren Ressourcenverbrauch.

