Die Ankündigung der portugiesischen Gesundheitsministerin Ana Paula Martins, zwei privat geführte Familiengesundheitszentren (USF) in der Algarve noch 2026 zu eröffnen, stößt auf scharfe Kritik von Ärzte- und Pflegegewerkschaften.
Geplant sind USF-Einheiten in Silves und Lagos, die in der zweiten Jahreshälfte ihren Betrieb aufnehmen könnten. Gewerkschaftsvertreter warnen vor einer schleichenden Privatisierung des nationalen Gesundheitssystems (SNS). Alda Pereira von der Pflegegewerkschaft fordert stattdessen „ernsthafte Investitionen“ ins öffentliche System und bessere Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Private Modelle sollten erst dann erwogen werden, wenn öffentlich geführte Einheiten nicht mehr möglich sind.
Auch André Gomes, Vorsitzender der Ärztegewerkschaft, kritisiert die Regierungspolitik. Die Algarve sei seit Jahren ein „Labor für den Ausbau privater Gesundheitsdienste“. Das Kernproblem – rund 100.000 Menschen ohne Hausarzt – lasse sich durch private Zentren nicht lösen. Zudem drohe eine „inakzeptable Vermischung“, wenn öffentliche Mittel indirekt private Anbieter stärkten.
Unterstützung kommt aus der Kommunalpolitik: Auch Luísa Conduto, Bürgermeisterin von Silves, sieht die Priorität beim staatlichen Gesundheitssystem und warnt vor dem „einfacheren Weg“ über private Lösungen.
Die Regierung bewertet die Pläne anders: Der konservative Abgeordnete Cristóvão Norte (PSD) betont, dass fünf neue Einheiten in der Algarve rund 60.000 Menschen versorgen und überlastete Notaufnahmen entlasten könnten. Die Finanzierung bleibe Teil des SNS, auch wenn Leistungen von privaten oder sozialen Trägern erbracht würden.
Die Region solle in der laufenden Legislaturperiode eine „nationale Priorität“ sein. Dennoch bleibt der Konflikt um die Zukunft des portugiesischen Gesundheitssystems im Süden des Landes bestehen.

