Die portugiesische Wirtschaft zeigt sich widerstandsfähig, doch ihr künftiges Wachstum ist keineswegs garantiert. In ihrem aktuellen Economic Survey bescheinigt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Portugal zwar eine solide wirtschaftliche Performance, mahnt jedoch gleichzeitig zu entschlossenen Reformen.
„Die wirtschaftliche Entwicklung Portugals war stark“, erklärt OECD-Generalsekretär Mathias Cormann. Hohe Beschäftigungsquoten, ein robustes Wachstum und ein rascher Abbau der Staatsverschuldung seien klare Erfolge. Gleichzeitig belasten jedoch externe Faktoren wie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie zunehmende internationale Handelskonflikte das wirtschaftliche Umfeld in Europa – mit spürbaren Folgen auch für Portugal. Neben diesen geopolitischen Risiken identifiziert die OECD mehrere strukturelle Schwächen, die das Wachstum in den kommenden Jahren dämpfen könnten. Dazu zählen vor allem der zunehmende Arbeitskräftemangel, die Alterung der Bevölkerung, die Notwendigkeit, Produktivitätsgewinne zu sichern, der rasante Anstieg der Immobilienpreise sowie die wachsenden Auswirkungen des Klimawandels.
Um den Wachstumspfad zu stabilisieren und gleichzeitig die Staatsverschuldung weiter zu senken, empfiehlt die OECD eine Politik der fiskalischen Vorsicht. Diese sollte mit tiefgreifenden Strukturreformen einhergehen. Im Fokus stehen dabei gezielte öffentliche Investitionen zur Steigerung der Produktivität sowie eine langfristige Begrenzung der Ausgaben, insbesondere jener, die durch die demografische Entwicklung steigen. Dies könne durch eine ausgewogene Kombination aus höheren Einnahmen und einer kontrollierten Ausgabenentwicklung erreicht werden. Der Arbeitsmarkt habe sich nach der Pandemie als widerstandsfähig erwiesen, so die OECD weiter. Dennoch mehren sich Anzeichen für Spannungen – insbesondere aufgrund fehlender Arbeitskräfte und der alternden Erwerbsbevölkerung.
Kritisch äußert sich die Organisation auch zum portugiesischen Steuersystem. Dieses sei „übermäßig komplex“, verursache hohe Verwaltungskosten und schmälere die Staatseinnahmen. Portugal solle daher sein Steuersystem vereinfachen und verbreitern. Die neue fiskalische Evaluierungseinheit U-TAX könne helfen, ineffiziente Steuervergünstigungen – etwa bei Mehrwertsteuer sowie Einkommen- und Körperschaftsteuer – schrittweise abzubauen und langfristig sogar Steuersätze zu senken.
In ihren Prognosen geht die OECD davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum 2026 auf 2,2 % beschleunigt, nach 1,9 % im Jahr 2025. Für 2027 wird hingegen eine Abschwächung auf 1,8 % erwartet. Die Haushaltspolitik bleibt 2026 expansiv und dürfte 2027 restriktiver ausfallen – vor allem wegen des Auslaufens des portugiesischen Aufbau- und Resilienzplans (PRR).
Die Regierung rechnet laut Staatshaushalt 2026 mit einem Budgetüberschuss von 0,1 % des Bruttoinlandsprodukts sowie mit einer Staatsverschuldung von 87,8 % des BIP. Für das laufende Jahr prognostiziert sie ein Wirtschaftswachstum von 2,3 %.

