Die Umweltschutzorganisation Almargem kritisiert ebenfalls die geplante Müllverbrennungsanlage in der Algarve und fordert die Regierung auf, die Entscheidung zu überdenken.
Die Algarve produziert jährlich rund 400.000 Tonnen Siedlungsabfälle, von denen 85 % auf Deponien landen. Diese stoßen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen (siehe hier und hier). Almargem erkennt die Dringlichkeit an, hält die von der Regierung angekündigte Verbrennung jedoch für den falschen Ansatz. Sie behandle lediglich die Folgen eines unzureichenden Abfallsystems, statt bei Abfallvermeidung, Mülltrennung und Recycling anzusetzen.
„Eine Müllverbrennungsanlage behandelt das, was wir zuvor nicht zu vermeiden geschafft haben“, erklärte Almargem -Präsident Edgar Ribeiro. Notwendig seien unter anderem eine bessere getrennte Sammlung, die Rückführung organischer Abfälle in Form von Kompost in die Böden sowie eine stärkere Wiederverwertung von Wertstoffen.
Besonders kritisch sieht der Verband die Auswirkungen des Tourismus. Nach Angaben von Almargem fallen pro Übernachtung und Tourist durchschnittlich 3,6 Kilogramm Abfall an. Statt eine Anlage auf saisonale Spitzen auszulegen, müsse die Gastronomie- und Hotelbranche insbesondere in den Sommermonaten zu einer getrennten Sammlung von Bioabfällen und Verpackungen verpflichtet werden.
Auch die Verbrennung selbst beseitige das Deponieproblem nicht vollständig. Zwischen 20 und 25 % des Gewichts der verbrannten Abfälle blieben als Schlacke und Asche zurück. Feine Aschen enthielten zudem Schwermetalle und müssten als gefährliche Abfälle in speziellen Deponien entsorgt werden, die es in der Algarve nicht gebe.
Almargem warnt außerdem vor langfristigen finanziellen Belastungen. Die Investition in die Anlage müsste nach Angaben des Verbandes ohne EU-Fördermittel finanziert werden. Hinzu kämen langfristige Betreiberverträge von 20 bis 30 Jahren, die Kommunen zur Abnahme einer bestimmten Mindestmenge an Müll verpflichten könnten. Dadurch könne verstärktes Recycling sogar zum finanziellen Nachteil werden. Auch die von der EU geplante CO₂-Bepreisung der Abfallverbrennung könnte die Kosten weiter erhöhen.
Nach Ansicht von Almargem müsse zudem zunächst die tatsächliche Menge des zu behandelnden Restmülls ermittelt werden. Bei einer Recyclingquote von 65 %, wie sie die EU vorsieht, würden von den derzeit rund 400.000 Tonnen jährlich nur noch etwa 140.000 Tonnen übrig bleiben. Durch eine modernisierte mechanisch-biologische Abfallbehandlung könnte die Menge weiter sinken.
Der Verband fordert deshalb zunächst die Einführung einer flächendeckenden Sammlung von Bioabfällen, ein eigenes Sammelsystem für Hotels und Gastronomie während der Sommersaison sowie die Modernisierung der bestehenden Sortieranlagen.
Kritik übt Almargem schließlich am Verfahren der Regierung. Die portugiesische Umweltagentur APA will erst am 15. Oktober eine Ausschreibung zur Untersuchung der technischen Lösung und des möglichen Standorts starten. Die Regierung habe jedoch bereits vorher die Verbrennung als Lösung angekündigt. Damit werde das Ergebnis der noch ausstehenden Untersuchung vorweggenommen, kritisiert der Verband.
Almargem fordert deshalb, die Entscheidung auszusetzen, verschiedene Abfallbehandlungsoptionen gleichberechtigt prüfen zu lassen und die zugrunde liegenden Studien zu veröffentlichen. Die Algarve müsse auf eine Kreislaufwirtschaft setzen, statt wertvolle Ressourcen zu verbrennen, so die Organisation.

