Die portugiesische Umweltorganisation Zero kritisiert die von der Regierung angekündigte Müllverbrennungsanlage in der Algarve scharf. Umweltingenieur Rui Berkemeier bezeichnet das Vorhaben als „schlechteste mögliche Alternative“ und wirft Umweltministerin Maria da Graça Carvalho mangelnde fachliche Grundlage für die Entscheidung vor.
Statt auf Verbrennung zu setzen, fordert Zero eine Kombination aus Recycling sowie mechanisch-biologischer Abfallbehandlung. Damit könnten nach Einschätzung Berkemeiers bereits rund 70 % der Abfälle behandelt werden. Entsprechende Anlagen gibt es u. a. in Beja und Santiago do Cacém. Eine solche Lösung sei günstiger, weniger umweltschädlich und innerhalb von zwei bis drei Jahren umsetzbar.
Kritik übt Zero auch an den erwarteten Kosten. Die Regierung plant Investitionen von rund € 300 Mio. für die Anlage, die nach den bisherigen Plänen 2035 in Betrieb gehen soll. Berkemeier warnt, dass die Verbrennung von Plastik die Recyclingquote weiter senken und zugleich die CO₂-Emissionen erhöhen würde. Zudem könne Portugal weiterhin hohe EU-Abgaben für nicht recycelte Kunststoffverpackungen zahlen.
Zero will deshalb kurzfristig ein Treffen mit der Umweltministerin beantragen und fordert Daten und Studien, mit denen die Entscheidung für eine Verbrennungsanlage begründet werden kann.
Die Regierung hatte die Anlage am Samstag angekündigt. Nach Angaben der Ministerin produziert die Algarve jährlich rund 400.000 Tonnen Siedlungsabfälle – etwa doppelt so viel wie im nationalen Durchschnitt. Rund 85 % davon werden derzeit deponiert. Zunächst sollen die Deponien in Loulé und Portimão erweitert werden. Die portugiesische Umweltagentur APA soll in den kommenden zwei Monaten eine Ausschreibung vorbereiten und zugleich Technologie und Standort der geplanten Anlage prüfen.

