Das Naturschutzinstitut ICNF hat vor Kurzem die 6,5 km lange Wanderroute Trilho da Parra im nördlich von Silves gelegenem Nationalwald Herdade da Parra ausgeschildert. Ziel ist es, Menschen ins Landesinnere zu locken, um die Natur zu genießen und gleichzeitig zur Prävention vor Waldbränden beizutragen. Das Gebiet wurde stark vom Feuer betroffen, das 2018 in Monchique ausbrach, hat sich aber bereits wieder erholt
Text & Fotos: Anabela Gaspar
in ESA 05/2024
Die 806 ha große Herdade da Parra am Odelouca-Stausee ist das Zuhause von Rothirschen und Wildschweinen, von Rothühnern und Bonelli-Adlern sowie von vielen Singvögeln. Ende März, als wir den Ausflug unternahmen, schwirrten trotz starken Saharastaubs in der Luft überall bestäubende Insekten herum, angezogen von Tausenden von blühenden Wildblumen. Das Gebiet wird vom Naturschutzinstitut ICNF verwaltet, das die Route angelegt und sie als schwierig eingestuft hat. Dies ist vor allem auf den ersten etwa 2 km langen Abschnitt zurückzuführen, denn hier und da geht es steil bergab oder bergauf, man muss sich mitunter abstützen und schmalen Trampelpfaden parallel zum Hang folgen. An einigen Stellen schlugen Mitarbeiter des ICNF „Stufen“ in den Hang, stellten Geländer und Holzbrücken über die Wasserläufe auf, doch trotz dieser Hilfen ist dieser Abschnitt nicht für Menschen mit Gehbehinderung geeignet.
Um zur Herdade da Parra zu gelangen, folgen wir am Friedhof in Silves der Straße EM502 Richtung Norden. Nach etwa 17 km folgen wir dem Schild „MNHParra“ nach links auf einen Schotterweg und stellen kurz darauf das Auto ab, da das Naturschutzinstitut die Zufahrt zum Herz der Herdade da Parra mit einer Kette gesperrt hat. Das bedeutet, dass Wanderer, bevor sie überhaupt den Starpunkt der Route erreichen, bereits 1,5 km Fußmarsch zurücklegen müssen, der Ausflug also insgesamt 9,5 km lang ist. Zu beachten ist außerdem, dass es weit und breit keine Möglichkeit gibt, Proviant zu kaufen und eine Toilette zu finden.
Die Route verfügt über eine eigene Webseite (trilhodaparra.pt), die zwar spärliche Information bietet, aber dafür, oder genau deshalb, Lust auf Entdeckung macht. Der Startpunkt befindet sich links von der Infotafel und ist durch zwei Holzpfeiler markiert. Obwohl auf dem ersten Wegweiser die sonst übliche gelb-rote Markierung angebracht ist, muss man grünen Pfeilen folgen. Der erste zeigt an, dass wir den Hang hinunter müssen. Da die Route erst vor Kurzem ausgeschildert wurde, ist der Pfad noch nicht ausgetreten und daher nicht leicht zu erkennen. Doch gleich nach wenigen Metern merken wir, dass sich die Mitarbeiter des ICNF Mühe gegeben haben, denn an einer Stelle wurden „Stufen“ angebracht, um zu vermeiden, dass Wanderer abrutschen.

Auch die Picknickanlage, die wir nun erreichen, ist klein und fein. Noch ist das Wasser im angelegten Teich verschlammt, doch in ein paar Wochen dürfte es zu einer kleinen Idylle werden und einigen Tieren als Tränke dienen, denn obwohl das Gebiet am Odelouca-Stausee liegt, ist an seinen Ausläufern wenig oder kein Wasser vorhanden. An der Macchia, die die Hügel bewächst, erkennen wir, bis wohin das Wasser einst reichte. Lange muss es her sein, denn auch unterhalb der Lackzistrosen ist der Hang mittlerweile mit spärlichem Grün bewachsen. Nachdem wir einige Meter entlang eines ausgetrockneten Ausläufers wandern, erreichen wir die Infotafel „Barragem de Odelouca“ (Nr. 2 auf der Karte), laut der der Stausee ein Gebiet von 7,8 km2 einnimmt, ein Stauvolumen von 128 hm3 umfasst und eine entscheidende Rolle in der Wasserversorgung der Westalgarve spielt – besser gesagt, spielte. Nun ist hier nur ein leises Plätschern zu vernehmen. Obwohl es wegen der Dürre derzeit möglich wäre, dem Schotterweg zu folgen, gibt ein Pfeil neben der Tafel an, dass wir den mit Holzpfeilern und Steinen befestigten Stufen am rechten Hang folgen sollen. Auch der darauffolgende Pfad ist sorgfältig mit Steinen und Baumstämmen abgestützt. Die nächsten knapp 1,5 km bis zur Infotafel Nummer vier sind etwas herausfordernd, doch es ist genau dieser Abschnitt, der diese Route besonders macht.
Wir folgen einem schmalen Pfad durch die Vegetation, müssen ein bisschen klettern und aufpassen, nicht auszurutschen. Hier und da unterstützen wieder Stufen und angebrachte Geländer unsere Kraxelei. Schließlich führt uns der Weg steil hinab zu einem mystisch angehauchten kleinen Bach. Zwei Holzbrücken und große flache Steine sorgen für eine trockene Überquerung und Seile helfen die Balance zu halten. Sehr angenehm, vor allem weil das Wasser braun ist und etwas merkwürdig riecht. Danach geht es auf einem breiten Schotterweg weiter, bis ein Hinweisschild am Wegesrand uns wieder rechts ab in die Vegetation führt. Der Pfad ist dicht bewachsen, Farne zeugen davon, dass es hier stets feucht ist. Nach wenigen Metern erreichen wir eine Eingezeunte Fläche, die angepflanzte Baumsetzlinge vor Wildtieren schützen soll. Direkt daneben befindet sich eine Holzbrücke und gleich darauf die Infotafel „Nascente“ (Nr. 3). Diese Quelle ist eine von insgesamt 17 innerhalb der Herdade da Parra, einige davon enthalten Eisen, daher das braune Wasser und der Geruch. Die Quellen sind entscheidend für die Befüllung der vier vorhandenen Wasserstellen, die als Tränken für die hier lebenden Tierarten dienen.
Nun folgt ein steiler Anstieg, der uns zu einigen Pausen zwingt. Allerdings wurde an diese Verschnaufpausen gedacht und ein angenehmer, schattiger Sitzplatz aufgebaut, der zudem eine schöne Aussicht bietet. Am Hang gegenüber steht ein altes, dem Verfall überlassenes Landhaus. Wir überlegen, wie das Leben hier, inmitten der Hügel, weit entfernt von den nächsten Dörfern, ohne Strom und fließendes Wasser gewesen sein muss und kommen zu dem Ergebnis, dass wir nicht so abgelegen leben könnten. Ein bisschen Zivilisation muss sein. Allzu lange rasten wir nicht, denn der restliche Anstieg muss noch bewältigt werden.
Einige mühsame Meter weiter erreichen wir die Infotafel „Observatório“ (Nr. 4). Hier lädt das Naturschutzinstitut Wanderer dazu ein, die mit Macchia, Weiden, Korkeichen, Lorbeersträuchern und Erdbeerbäumen bewachsene Landschaft zu genießen. Von dieser Stelle aus soll man Rothühner, Hohl-, Ringel- und Turteltauben sichten können. Uns gelingt dies allerdings nicht. Vielleicht liegt es am Saharastaub in der Luft. Es geht weiter steil den Hang hinauf und wieder einmal sind wir von der Mühe, mit der die Route angelegt wurde, angenehm überrascht, als wir sehen, dass der Pfad mit Ästen am Boden gekennzeichnet wurde.
Schließlich kommen wir zu einem breiten Schotterweg. Noch wissen wir es nicht, aber hier beginnt ein leichter Spaziergang mit Blick auf die von blühenden Lackzistrosen übersäten Hügel, der uns zurück zum Startpunkt bringt.
Die Infotafel „Águia de Bonelli“ (Nr. 5) erklärt, dass dieser majestätische Raubvogel, der in Portugal als „gefährdet“ eingestuft ist, in Gebieten mit geringer menschlicher Störung nistet. Dass er hier vorkommt, soll ein Zeichen dafür sein, dass das Ökosystem gesund und ausgeglichen ist. Obwohl wir Ausschau halten, stellen wir enttäuscht fest, dass hier kein Adler am Himmel kreist. Nicht ganz so enttäuscht sind wir allerdings darüber, dass wir kein Wildschwein sehen – vor allem keins treffen – obwohl die Anzahl der hier lebenden beachtlich sein soll. Beachtlich ist auch die Anzahl der Pflanzen, die zu dieser Jahreszeit blühen. Dazu gehören die Baumheide, die sowohl mit weißen als auch mit lila Blüten vorkommt, der Stechginster, die Lavendelart Lavandula luisieri, auch Lavandula stoechas genannt, für die es keine deutsche Bezeichnung gibt, oder die Weißliche Zistrose, die etwas kleiner als die Lackzistrose ist und deren Blüten komplett weiß sind. Kurz: Ein Festmahl für Bestäuber.
Wohl fühlen sich in diesem Gebiet auch Rothirsche, obwohl sie nicht heimisch sind. Lediglich sieben wurden im Jahr 1986 angesiedelt, doch die Bedingungen, die sie vorfanden, ermöglichten eine erfolgreiche Fortpflanzung. Heute beheimatet das Gebiet ein großes Rudel. Heimisch und im Hinterland der Algarve fast allgegenwärtig ist das Rothuhn. Was diese beiden Tierarten mit Wildschweinen gemeinsam haben ist, dass es sich um Jagdwildarten handelt. Das Gebiet war nämlich lange ein Jagdgebiet, doch Gesetz 91/1998 erklärte es zu einem Jagdschutzgebiet. Ende gut, alles gut.
Auch wir kommen nun zum Ende dieser Wanderung – zumindest der markierten Route, denn wir müssen ja noch die 1,5 km bergauf bis zum Auto zurücklegen. Begeistert hat uns der Abschnitt vom Startpunkt bis zur Infotafel „Observatório“ (Nr. 4), den wir als kleines Abenteuer bezeichnen. Trotz der herausfordernden Wanderung können auch Menschen mit Gehbehinderung die Landschaft und die frische Luft in der Mata Nacional da Herdade da Parra genießen: Einfach dem rechts vom Startpunkt liegenden, breiten Schotterweg zwischen den Pinien folgen, d. h. in umgekehrte Richtung wandern und bei der Infotafel Nr. 5 (Bonelli-Adler) wieder umkehren.

