Portugal setzt einen weiteren Meilenstein im Tierschutz: Der letzte in einem Zirkus gehaltene Elefant des Landes, die Elefantenkuh Julie, wird in das spezialisierte Schutzgebiet Pangea im Süden Portugals umgesiedelt. Die Organisation Pangea Trust und der Zirkus Circo Víctor Hugo Cardinali gaben die Entscheidung in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt.
Julie kam als Jungtier aus dem südlichen Afrika nach Portugal und lebt seit 1988 beim Circo Víctor Hugo Cardinali. Im Jahr 2024 wurde sie aus der Zirkusarbeit genommen – zeitgleich mit dem Inkrafttreten des portugiesischen Verbots für Wildtiere in Zirkussen. Im selben Jahr verstarb zudem ihre letzte tierische Gefährtin.
Nach intensiven Gesprächen und einer freiwilligen Vereinbarung wurde nun ihre Umsiedlung in das rund 400 Hektar große Auffangzentrum der Pangea Trust im Alentejo beschlossen. Das Gelände zwischen Alandroal und Vila Viçosa ist speziell auf die Bedürfnisse von Elefanten ausgelegt und soll ihnen ein naturnahes Leben in Gruppen ermöglichen (ESA berichtete im Januar 2026).
Der Zirkusbetreiber Víctor Hugo Cardinali betonte, die Entscheidung sei emotional gewesen: Julie sei über drei Jahrzehnte ein fester Bestandteil der Zirkusfamilie gewesen. Dennoch sei die Übersiedlung in das Schutzgebiet „die richtige Entscheidung für ihr Wohlbefinden“. Der Zirkus werde die Übergangsphase weiterhin eng begleiten und seine Erfahrung im Umgang mit dem Tier einbringen.
Auch die Pangea Trust arbeitet bereits mit Tierärzten des Zirkus zusammen, um Julies Gesundheitszustand für die bevorstehende Reise zu bewerten und eine sichere Ankunft im Schutzgebiet zu gewährleisten. Dort soll sie in einer Umgebung leben, die Sozialkontakte zu anderen Elefanten ermöglicht – ein entscheidender Faktor für das Wohl dieser Tierart.
Parallel bereitet die Organisation die Aufnahme einer weiteren Elefantenkuh namens Kariba vor, die eigentlich bereits im Januar im Schutzgebiet erwartet wurde (ESA berichtete im Januar 2026) aber weiterhin in einem Zoo in Belgien lebt. Sollte auch ihre Umsiedlung gelingen, könnten beide Tiere künftig gemeinsam im Alentejo leben.
Mit der Umsiedlung von Julie hat Portugal die Gesetzgebung zum Verbot von Wildtieren in Zirkussen erfolgreich umgesetzt. Das Verbot wurde 2018 verabschiedet und trat 2024 in Kraft. Bereits zu Beginn dieses Jahres unterstützte die Pangea Trust zudem die Umsiedlung von Sona, dem letzten Zirkustiger des Landes. Julie ist damit nicht nur der letzte Zirkuselefant Portugals, sondern zugleich das letzte Wildtier, das noch in einem Zirkus des Landes gehalten wurde. Viele andere Länder der Europäischen Union haben ähnliche Verbote eingeführt, konnten diese jedoch bislang nicht vollständig umsetzen – sei es aufgrund fehlenden politischen Konsenses oder mangels geeigneter Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere.

