In der Fußgängerzone in Silves gibt es eine kleine Oase für Liebhaber von Alentejo-Produkten. Doch Alentejo com pão ist nicht nur ein Fachgeschäft für regionale Produkte, es ist, wie der Inhaber Celso Pereira sagt, eine Botschaft des Alentejo
Text & Fotos: Anabela Gaspar
in ESA 05/2024
Celso stammt aus einem kleinen Dorf namens Sete, das genau im Zentrum des Dreiecks von Castro Verde, Mértola und Almodôvar liegt. Als Teenager arbeitete er in den Kupferminen von Neves-Corvo, dann bereiste er die Welt, lebte in Genf, laut ihm „einer der schicksten Städte der Welt“, und war mehrere Jahre lang als Vertriebsleiter tätig. Ein Autounfall veränderte seine Sichtweise auf das Leben. „Ich kam zu dem Schluss, dass das Leben kurz ist und dass wir uns mit dem umgeben sollten, was wir lieben und uns glücklich macht. Was mich glücklich macht, ist der Alentejo, seine Farben und Aromen, seine Geschmäcker“, fasst Celso zusammen.
In der Algarve lebend, suchte Celso stets nach Produkten aus dem Alentejo, um die Sehnsucht nach seiner Heimat zu stillen, vor allem aber nach seiner Großmutter. „Sie hieß Amália Angelina und war die beste Person, die die Welt je gekannt hat“, erzählt er mit strahlenden Augen. „Ich bin mit ihr aufgewachsen. Zusammen haben wir Schafe und Ziegen gehütet und gemolken, Käse und Wurstwaren hergestellt, Wolle gekämmt und gesponnen. Wir haben gemeinsam Brot und Kuchen gebacken, haben süßen Reis gekocht und Schinken gesalzen. Als Erwachsener habe ich die Aromenvielfalt und Gaumenfreuden aus dem Hause meiner Großmutter sehr vermisst. Als Kind weiß man diese Dinge nicht zu schätzen, aber in ihnen liegt der wahre Reichtum.“
Seit nunmehr zehn Jahren teilt er seine Leidenschaft für den Alentejo mit denen, die sein Geschäft besuchen. Die Nummer 18 in der Rua Elias Garcia ist aber auch ein Ort, um die Erinnerung an seine Großmutter lebendig zu halten. „Deshalb ist es für mich so wichtig, die Authentizität des Alentejo zu bewahren. Die Kuchen und Kekse, die ich verkaufe, sind die gleichen, die ich mit meiner Großmutter Amália gebacken habe, viele basieren sogar auf ihren Rezepten. Die Dekoration des Ladens, die Farben und Blumen, sind eine Hommage an sie und an ihr Haus, das immer mit Blumen geschmückt war. Ich musste mich für Sukkulenten entscheiden, weil ich keinen grünen Daumen habe und andere Pflanzen deswegen nicht überlebt haben“, erklärt er lächelnd.
Der kleine Raum ist prall gefüllt mit Wurstwaren, Schinken, Speck, Keksen, Kuchen, Brot, Honig, eingelegten Oliven, frischen, gereiften und cremigen Käsesorten, Craft-Bier und Wein – viel Wein. Celso hat etwa 300 Weinreferenzen, von Flaschen für drei Euro bis hin zu Flaschen für 70 und sogar für 400 Euro, wie der Rotwein Pêra Manca. Er mag es, besonders edle Tropfen im Sortiment zu haben, die in Amphoren oder auf einem Flussboden gereift sind sowie limitierte Auflagen. Celso sucht stets nach authentischen und einzigartigen Produkten, die den Alentejo repräsentieren. Selbst die Designs der Label können eine bedeutende Rolle spielen, so beispielsweise eins, das mit den warmen Farben des Alentejo sowie Mohnblumen und Maiskolben verziert ist oder eins mit dem Text und den Musiknoten des beliebten, traditionellen Alentejo-Lieds Mondadeiras. „Der Wein ist eine Hommage an den Autor, der vor Kurzem gestorben ist“, so Celso, „Ich mag es, Produkte zu führen, die eine Geschichte erzählen, aber natürlich ist die Produktqualität das Wichtigste. Diese Qualität wird zum Teil durch die Beziehung sichergestellt, die ich zu den Herstellern habe. Die Produkte sind alle hausgemacht und sind von kleinen Familienunternehmen, oft nur einer Person.“ Celso kennt jeden persönlich. „Das Craft-Bier wird von Nuno hergestellt. Er lebt in einem kleinen 20-Einwohner-Dorf und braut sieben Biersorten allein. Die Kuchen sind zwar in Plastikboxen mit einem etwas industriellen Aussehen aufbewahrt, werden aber von Dona Feliciana nach den Rezepten meiner Oma gebacken. Der Honig ist von Ana. Wenn ich die Gläser abhole, helfe ich ihr manchmal noch beim Etikettieren, denn oft schafft sie es nicht, alles allein zu machen“.
Die Wurstwaren sind vom schwarzen Schwein. Aber Celso betont, dass „das schwarze Schwein nicht unbedingt besser als das iberische Schwein ist. Tatsächlich ist der Schinken vom iberischen Schwein sogar besser als der vom schwarzen Schwein, weil er nicht so fett ist. Das schwarze Schwein ist eine Marketingfrage. Die Wahrheit ist, dass ein im Freien aufgewachsenes iberisches Schwein, das mit Eicheln und Johannisbrot gefüttert wird, die gleiche Qualität wie ein schwarzes Schwein hat. Das Fleisch ist vielleicht nicht so marmoriert, aber es ist auch von hoher Qualität“.
Obwohl der Raum sehr klein ist und nur vier Tische vorhanden sind, serviert Celso auch Sandwiches und gebratene chouriço sowie Wurst- und Käseplatten, die je nach den verfügbaren Produkten und Früchten der Saison variieren. Mal gibt es Schinken mit Melone, Mal mit Trauben, Feigen, Kakis oder Mandeln. Es gibt auch einen sehr besonderen Snack, der nicht immer verfügbar ist und auch nicht jedermanns Geschmack entspricht. Deswegen bietet Celso ihn nur auf Anfrage an: pétalas de toucinho, sehr dünn geschnittene Speckstreifen. Es sind diese typischen Traditionen des Alentejo, die Celso glücklich machen. „Es ist der Geruch von geräucherter Wurst, von gesalzenem Speck und Schinken, von all diesen Produkten, die meine Leidenschaft für den Alentejo wecken. Diese Leidenschaft möchte ich meinen Kunden vermitteln.“
Alentejo com pão
Rua Elias Garcia 18, Silves
Mob. 960 241 834
alentejocp@gmail.com
Facebook: Alentejo Com Pão


