An der Universität Porto wird derzeit ein Modell entwickelt, das genau dies ermöglichen soll. Ab 2027 könnten Ärzte und Psychologen in Nordportugal Patienten mit leichten Depressionen, Angstzuständen, Stress oder ersten Burnout-Symptomen kulturelle Aktivitäten auf Rezept verordnen. Vorgesehen ist ein zehnwöchiges Programm mit Gruppenangeboten in Museen. Die Teilnehmer beschäftigen sich unter Anleitung speziell geschulter Künstler oder Kulturvermittler mit kreativen Aktivitäten. Ziel ist es, das psychische Wohlbefinden zu stärken und soziale Kontakte zu fördern. Das Projekt ersetzt dabei keine medizinische Behandlung, sondern soll diese sinnvoll ergänzen.
Das Pilotmodell wird derzeit mit Studierenden der Universität Porto getestet und wartet noch auf die endgültige Finanzierung. Beteiligt sind neben mehreren Universitäten auch sechs Museen, die Generaldirektion für Gesundheit, die Ärztekammer sowie weitere Partner. Nach Angaben der Projektleiterin Fátima Vieira könnte die sogenannte „Kultur auf Rezept“ mittelfristig sogar Teil des staatlichen Gesundheitsdienstes SNS werden. Studien aus anderen europäischen Ländern deuten darauf hin, dass kulturelle Aktivitäten das Wohlbefinden verbessern, den Bedarf an angstlösenden Medikamenten verringern und damit langfristig auch das Gesundheitssystem entlasten könnten.
Patienten würden künftig von Ärzten oder Psychologen überwiesen und während des Programms von einem sogenannten „Link Worker“, etwa einem Sozialarbeiter, begleitet. Dieser dokumentiert den Verlauf und informiert anschließend den behandelnden Arzt. Vorbild für das portugiesische Projekt ist das skandinavische Programm „Kulturvitamin“, das bereits in Dänemark und Schweden erfolgreich erprobt wurde. Parallel dazu sammelt die Universität Porto wissenschaftliche Daten, um die Wirkung der kulturellen Angebote zu belegen. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Kultur als festen Bestandteil der Gesundheitsförderung in Portugal zu etablieren.

