Die Umweltorganisation ZERO hat zu einer deutlich verbesserten Sammlung von Altspeiseölen in Portugal aufgerufen. Diese seien eine strategisch wichtige Ressource zur Herstellung von Biokraftstoffen und könnten zur Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beitragen.
Angesichts geopolitischer Unsicherheiten – insbesondere der Situation im Nahen Osten – warnt ZERO davor, weiterhin ein wertvolles Abfallprodukt zu verschwenden. Altspeiseöle gelten als nachhaltiger Rohstoff für Biokraftstoffe, die insbesondere im Straßen-, aber auch im Schiffs- und Luftverkehr fossile Brennstoffe ersetzen können.
Der Verband kritisiert, dass in Portugal weiterhin große Mengen ungenutzt bleiben oder unsachgemäß entsorgt werden. Altspeiseöl dürfe weder in Spülen noch in Toiletten oder Abflüsse gelangen, da dies die Abwassersysteme belastet, die Wasserqualität verschlechtert und vermeidbare Kosten verursacht.
Nach Daten der portugiesischen Umweltagentur APA wurden 2023 lediglich rund 908 Tonnen Altspeiseöl über kommunale Systeme erfasst, nach 868 Tonnen im Jahr 2022. Demgegenüber steht eine geschätzte jährliche Gesamtmenge von 43.000 bis 65.000 Tonnen, davon rund 62 % aus privaten Haushalten. Somit werden nach Angaben von ZERO nur etwa 2,3 bis 3,4 % des potenziellen Haushaltsaufkommens tatsächlich gesammelt.
Die Organisation spricht von einem erheblichen politischem Versäumnis und einem Verlust wertvoller Rohstoffe. Eine Analyse größerer Kommunen zeige zudem erhebliche Unterschiede bei der Sammlung, die eng mit der Dichte der Sammelstellen zusammenhänge. Besonders gut schnitten Gemeinden mit dichter Infrastruktur oder ergänzenden Abholsystemen wie Tür-zu-Tür-Sammlungen ab.
ZERO betont, dass das technische Potenzial erheblich sei: Würde das Haushaltsaufkommen vollständig erfasst, könnten in Portugal jährlich rund 25 bis 30 Millionen Liter Biokraftstoff produziert werden. Das entspreche einer möglichen Vervielfachung der heutigen Produktion aus diesem Rohstoff.
Die Organisation fordert daher eine nationale Strategie mit klaren Maßnahmen: bessere Aufklärung der Bevölkerung, Ausbau und Wartung der Sammelstellen, verpflichtende Meldepflichten für private Sammelstellen sowie eine stärkere Rolle der Umweltbehörde bei Kontrolle und Transparenz. Auch die Kommunen sollten ihre Sammelnetze deutlich ausbauen und gegebenenfalls auf Abholsysteme umstellen.
Nach Ansicht von ZERO könne jedes korrekt entsorgte Liter Altspeiseöl gleichzeitig Umweltverschmutzung verhindern, die Abfallwirtschaft entlasten und zur Produktion erneuerbarer Kraftstoffe in Portugal beitragen.

