Ab Morgen können Verbraucher in Portugal leere Getränkeverpackungen gegen eine Rückvergütung von 10 Cent an automatischen Rücknahmeautomaten abgeben. Das neue Pfandsystem mit dem Namen Volta gilt als eines der bislang größten Umweltprojekte des Landes.
Das sogenannte Sistema de Depósito e Reembolso (Pfand- und Rückerstattungssystem, SDR) war bereits seit Jahren angekündigt und soll nun landesweit starten. Die Automaten nehmen Einwegflaschen aus Kunststoff und Metall mit einem Fassungsvermögen von bis zu drei Litern an und geben im Gegenzug einen Erstattungsbeleg aus.
Allerdings weisen die Betreiber darauf hin, dass in der Anfangsphase nicht alle Flaschen und Dosen von den Automaten akzeptiert werden. Voraussetzung ist das neue Volta-Symbol – ein hufeisenförmiger Pfeil mit dem Schriftzug „Volta“. Verpackungen ohne dieses Kennzeichen sollen weiterhin in die entsprechenden Recyclingcontainer entsorgt werden.
Das System war in Portugal bereits seit 2017 geplant. Ein Gesetz von 2018 sah ursprünglich eine Einführung zum 1. Januar 2022 vor. Nun startet es mit einer Investition von rund € 150 Mio. und soll etwa 1.500 Arbeitsplätze schaffen.
Nach Angaben der Betreibergesellschaft SDR Portugal soll das System die Rückgabe von Einweggetränkeverpackungen deutlich erhöhen. Bis 2029 wird eine Sammelquote von 90 % angestrebt. Der finanzielle Anreiz von 10 Cent pro Verpackung – unabhängig von deren Größe – soll dazu beitragen, Recyclingquoten zu steigern, die Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Menge an Abfällen zu verringern.
Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho hatte das Projekt bereits im vergangenen Monat als „vielleicht eines der größten Umweltprojekte, die Portugal derzeit umsetzt“ bezeichnet. Zugleich verwies sie darauf, dass der Abfallsektor weiterhin zu den schwierigsten Bereichen bei der Erfüllung europäischer Umweltziele gehöre.
Laut dem jüngsten Bericht der Regulierungsbehörde ERSAR, der im März veröffentlicht wurde und sich auf das Jahr 2024 bezieht, bleiben sowohl die Sammel- als auch die Recyclingquoten in Portugal niedrig. Das neue System soll insbesondere bei Einweggetränkeverpackungen eine Trendwende einleiten.

Ab Morgen werden Verpackungen an den Rücknahmestellen akzeptiert, sofern sie das Volta-Logo tragen, unbeschädigt sind, keine Flüssigkeitsreste enthalten, mit Deckel versehen sind und einen lesbaren Barcode haben. Landesweit stehen dafür 2.500 Automaten, mehr als 8.000 manuelle Sammelstellen sowie 48 Kioske für größere Mengen zur Verfügung, u. a. in der Nähe von Supermärkten.
Bis zum 10. August gilt eine Übergangsphase. In diesem Zeitraum können weiterhin Produkte ohne das neue Symbol im Handel erhältlich sein. Diese werden nicht von den Automaten angenommen, enthalten aber auch noch keine Pfandgebühr im Verkaufspreis.
Nach Angaben von Leonardo Mathias, dem Verwaltungsratsvorsitzenden von SDR Portugal, richtet sich das Projekt an jährlich rund 2,1 Milliarden Einwegflaschen und -dosen aus Kunststoff und Aluminium.
Das System soll dazu beitragen, Abfälle im öffentlichen Raum zu reduzieren, die Recyclingqualität zu verbessern, Deponiemengen zu senken und Treibhausgasemissionen zu verringern. Finanziell profitieren Verbraucher dabei nicht direkt: Die 10 Cent werden zunächst beim Kaufpreis als Pfand erhoben und bei Rückgabe in Form eines Gutscheins erstattet, der je nach Rücknahmestelle in Bargeld, Rabatte oder andere Formen umgewandelt werden kann.
Nach Angaben der Betreiber beteiligen sich bereits 90 % der Hersteller von Erfrischungsgetränken, Wasser und Bier sowie 80 % des Einzelhandels an dem System.
Pfandsysteme dieser Art bestehen bereits in mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und Dänemark. Dort werden jährlich zusammen mehr als 35 Milliarden Getränkeverpackungen gesammelt. Allerdings ist der Pfand höher und das System nicht so kompliziert.

