Portugal liegt in Europa an der Spitze, wenn es um den Anteil von Frauen in Erfinderteams geht. Laut einem Bericht der Europäischen Patentorganisation (EPO) sind 29,3 % der portugiesischen Erfinder weiblich – deutlich mehr als der europäische Durchschnitt von 13,8 %. Damit liegt Portugal weit vor Ländern wie Deutschland, Ungarn oder Österreich, wo der Anteil weiblicher Erfinder bei Patentanmeldungen bei rund 10 % liegt.
Trotz des steigenden Anteils weiblicher Nachwuchswissenschaftlerinnen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) warnt die EPO vor einem „Leaky Pipeline“-Effekt: Je weiter Frauen in ihrer wissenschaftlichen Karriere voranschreiten, desto häufiger verlassen sie den Innovationsbereich. Nur wenige promovierte Wissenschaftlerinnen melden Patente an oder gründen Start-ups.
In Portugal sind 15,7 % der Start-ups mit Patentbesitz zumindest teilweise von Frauen gegründet worden. Der europäische Durchschnitt liegt bei 13,5 %. Der Bericht zeigt außerdem, dass Frauen in der Forschung zwar ähnlich innovativ sind wie Männer, ihre Patente jedoch oft weniger Ansprüche enthalten und seltener zitiert werden. Viele Forscherinnen berichten zudem von fehlender Unterstützung – insbesondere beim Zugang zu Finanzierung. Die EPO warnt, dass diese Unterrepräsentation nicht nur Talente ungenutzt lässt, sondern auch Innovationslücken mit geschlechtsspezifischen Verzerrungen hinterlässt – etwa in der Biomedizin oder bei Sicherheitstests, z. B. bei Crashtests.
Dennoch hat sich viel verändert: Der Anteil europäischer Patentanmeldungen mit mindestens einer weiblichen Erfinderin stieg von unter 4 % in den 1980ern auf mehr als 24 % im Jahr 2022. Besonders stark vertreten sind Frauen in der Pharmaindustrie (34,9 %), Biotechnologie (34,2 %) und Lebensmittelchemie (32,3 %), während Ingenieurdisziplinen wie Maschinenbau oder Mechanik weiterhin überwiegend männlich geprägt sind.

