Die portugiesische Architektenkammer (Ordem dos Arquitetos, OA) hat ein umfassendes Positionspapier an die politischen Parteien des Landes übermittelt. Darin fordert sie konkrete Reformen in den Bereichen Wohnungsbau, Raumplanung, Mobilität und Verwaltungsmodernisierung und bietet zugleich ihre fachliche Mitarbeit an. Insgesamt umfasst das Dokument rund 30 Maßnahmenvorschläge, die den öffentlichen Diskurs über Stadtentwicklung und Bauwesen maßgeblich beeinflussen könnten. Ziel ist, die Wohnungsnot zu lösen.
Im Fokus stehen zunächst die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt: Mangelndes Angebot, langwierige Genehmigungsverfahren, hohe Miet- und Kaufpreise sowie fehlende Lösungen für junge Menschen und Studierende. Die Architekten schlagen u. a. die Stärkung öffentlicher Wohnprogramme, steuerliche Anreize für Sanierungen und Mechanismen gegen Gentrifizierung vor. Laut der OA könnten so rund 150.000 Menschen in prekären Wohnsituationen profitieren.
Auch in der Raumordnung und Infrastruktur ortet die Kammer erhebliche Defizite. Kritisiert werden ineffiziente Gesetzgebungen, mangelnde Koordination und die unzureichende Einbindung von Architekten in Entscheidungsprozesse. Sie fordert eine Rückbesinnung auf die Stadtentwicklung im staatlichen Handeln, die Verbesserung der kommunalen Raumplanung und eine stärkere Verzahnung von Boden- und Steuerpolitik. Großprojekte wie der neue Flughafen in Lissabon, der Hochgeschwindigkeitszug oder die dritte Brücke über den Tejo müssten in diesem Kontext gesamtheitlich und vorausschauend geplant werden.
Im Bereich der Verwaltungsvereinfachung schlägt die OA u. a. die Reform des „Simplex Urbanístico“, eine nationale Plattform zur Fristenkontrolle sowie die Einführung eines gestuften Baugesetzbuches vor. Ziel sei es, ein transparenteres und effizienteres Baugenehmigungsverfahren zu schaffen.
Darüber hinaus macht die OA auf strukturelle Probleme innerhalb des Berufsstands aufmerksam und fordert ein einheitliches Regulierungsrahmenwerk für Architektur- und Ingenieurdienstleistungen.
Den Abschluss bildet ein Appell an die politischen Entscheidungsträger, die Architektur als strategisches Werkzeug für das Gemeinwohl zu begreifen.

