Die kleine Hunde-Rettungsstation Place for Strays ist ein liebevoller Ort für Hunde in Not. Er befindet sich in der Nähe von Albufeira und bietet Besuchern die Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeit der Freiwilligen zu bekommen und die Fellnasen kennenzulernen
Text & Fotos: Jonna Hahn
in ESA 10/2023
Die gemeinnützige Organisation Place for Strays e. V. befindet sich etwas versteckt zwischen Albufeira und Olhos d´Água, in der Nähe der traumhaften Strände Maria Luísa und Praia da Falésia. Auf einem privaten Grundstück wurde ein kleines Paradies für ausgesetzte oder misshandelte Hunde erschaffen. Viele der Vierbeiner wurden auf der Straße geboren, vernachlässigt oder an der Kette gehalten, sind oft abgemagert, krank und voller Parasiten. Place for Strays ist ein Platz der Hoffnung für all diese Hunde, die rechtzeitig aus dem Elend gerettet wurden. Der Verein wurde im Juli 2019 gegründet und wird von Elena Auschill aus Deutschland geleitet, die sich damit einen Traum erfüllt hat.
Auf die Idee, das Hundeheim zu besuchen, kam ich durch eine Freundin, deren Arbeitskollegin Andrea ehrenamtlich im Team von Place for Strays arbeitet. Seit zwei Wochen verfolge ich die Arbeit des Tierheims in den sozialen Netzwerken, mit Tausenden von Followern, vor allem in Deutschland. So weiß ich bereits, dass vor wenigen Tagen neugeborene Welpen im Müll gefunden wurden, die nun von Freiwilligen mit der Flasche aufgezogen werden. Die Volunteers geben alles, damit die Welpen eine Überlebenschance haben. Durch Instagram weiß ich auch von dem Karton mit sechs Welpen, der vor Kurzem vor dem Tor des Tierheims abgestellt wurde. Situationen, die leider noch viel zu oft vorkommen.
Andrea konnte mir spontan einen Besuchstermin ermöglichen und nach einem kurzen Spaziergang zwischen Korkeichen stehe ich vor dem Tor des Tierheims, wo ich von Volunteer Noel und vielen aufregend schnuppernden Fellnasen begrüßt werde. Noel zeigt mir das Gelände, auf dem insgesamt acht Gehege von 15 bis 35 m² verteilt sind sowie Quarantäne-Gehege für Welpen oder kranke Hunde, eine Hunde-Waschstation und eine große Freilauffläche, die als Spielplatz dient und mit einem Sandhaufen, Paletten- und Reifenhindernissen, einem Hunde-Pool und einem Klettergerüst ausgestattet ist. Vor Ort werden bis zu 30 Hunde von ehrenamtlichen Helfern liebevoll umsorgt, gesund gepflegt und sozialisiert. Tagsüber können sich die Tiere frei auf dem Gelände bewegen.

Die Freude über meinen Besuch ist groß bei den Hunden, legt sich aber auch schnell wieder. Kaum ist die erste Aufregung vorbei, werden erneut die kühlen Schattenplätze für ein Nickerchen aufgesucht und eine angenehme entspannte Ruhe kehrt ein. So habe ich die Möglichkeit, mich mit Noel und weiteren vier Volunteers über das Tierheim, ihre Arbeit und die Hunde zu unterhalten. „Am meisten gefällt uns das Kuscheln“, sagen sie. Alle lernten sie das Tierheim über die sozialen Netzwerke kennen.
Die Freiwilligen bleiben unterschiedlich lang – teilweise kommen sie nur für die Arbeit als Volunteer nach Portugal, andere verbinden es mit einer Reise durch das Land oder einem Aufenthalt im Surfcamp. Die Aufgaben umfassen füttern, säubern der Gehege, Spaziergänge und natürlich spielen und kuscheln. Die Arbeit findet in abwechselnden Schichten statt und als Volunteer bekommt man die Möglichkeit, in einem Mobile-Home direkt auf dem Gelände zu wohnen.
Ich bin überrascht, wie ruhig es ist, obwohl das Hundeheim die Kapazitäten erreicht und Aufnahmestopp hat. So kann ich herumlaufen, die entspannte Stimmung genießen und ganz viel kuscheln. Die Hunde machen einen sehr glücklichen und gesunden Eindruck auf mich. Manche lassen sich von den Freiwilligen mit Streicheleinheiten verwöhnen, andere rennen spielend auf dem Gelände umher oder folgen mir neugierig, wieder andere genießen den Schatten und schlafen. Es ist ihnen nicht anzusehen, was für ein Elend sie in der Vergangenheit durchstehen mussten.
„Wir werden nie alle Hunde retten können, aber für die armen Seelen, die es zu uns geschafft haben, ist Place for Strays ein bedeutender Schritt in ein neues Leben und hoffentlich zum Happy End in einer liebevollen Familie“, lautet der Wunsch des gesamten Teams.
Zwei Hunde haben es mir besonders angetan: Hope ist eine ältere, gemütliche Hündin, die gerne das Treiben des Tierheims aus ihrem Körbchen beobachtet und sehr gerne gestreichelt wird. Sie wurde im August 10 Jahre alt und ist bereits seit Dezember 2021 im Tierheim. Mir wird erzählt, dass, obwohl sie sich mit den anderen Hunden gut versteht, sie sich ein eigenes gemütliches Zuhause und schöne Spaziergänge mit ihren eigenen Menschen wünscht. Auch die junge Rafinha, die erst ein Jahr alt ist und als Welpe mit ihren vier Geschwistern in einem Karton im Müll gefunden wurde, wächst mir direkt ans Herz. Ich merke, dass die Volunteers neben dem Füttern und Reinigen viel liebevolle Zeit mit den Hunden verbringen und sie deshalb zutraulich sind und mir Vertrauen schenken.
Damit das Team jedem Hund gerecht werden kann, werden nur etwa 30 Hunde aufgenommen. So kann jedes Tier individuell versorgt, gepflegt und vor Erkrankungen und Parasiten geschützt werden mit dem Ziel, ein passendes Zuhause zu finden und auf die Bedürfnisse der Hunde zu achten. Mit viel Geduld und Liebe werden die Hunde zudem sozialisiert, damit „für-immer-Familien“ gefunden werden können. Zur Philosophie des Hundeheims gehören auch verantwortungsvolle Adoptionen im In- oder Ausland. Ein wichtiger Grundsatz für die Arbeit ist außerdem Transparenz, weshalb regelmäßig die Finanzen veröffentlicht werden.
„Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass die meisten dieser schwerkranken Hunde sich erholen und ein gesundes und glückliches Leben führen können. Diskussionen um die Sinnhaftigkeit von Engagement oder Behandlungskosten führen wir daher nicht. Für uns ist jedes Leben schützenswert“, so das Team.
Ich bin sehr dankbar, dass ich einen Einblick in den Platz der Hoffnung bekommen durfte. Nach dem Besuch ist mein Herz nicht nur überschüttet mit Glücksgefühlen, ich bin auch beeindruckt davon, wie viel Gutes aus ehrenamtlicher, transparenter Arbeit, guter Organisation, einem authentischen Internetauftritt und Spenden entstehen kann. Und wenn ich mir die Erfolgsgeschichten und Fotos von vermittelten Hunden und glücklichen Familien auf der Website anschaue, würde ich am liebsten selbst einem Hund ein neues Leben schenken, damit wieder ein Platz frei wird für weitere Tiere in Not.
www.placeforstrays.de
Instagram: @place.for.strays
Facebook: Place for Strays

