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You are at:Home»Land & Leute»Adega Única – Drohende Schließung
Land & Leute

Adega Única – Drohende Schließung

Von agasparSa. 01. März 2025Aktualisiert:Di. 23. September 2025Lesedauer: 10 Minuten

Das Ende einer Weinkooperative

Die Weinkooperative Única in Lagoa steht vor einer ungewissen Zukunft. Das gesamte Areal wurde verkauft. Bis Ende Juli muss die Genossenschaft das Gebäude räumen. Wenn keine alternativen Räumlichkeiten gefunden werden, droht die endgültige Schließung​ der letzten Weinkooperative der Algarve

Text: Anabela Gaspar
ESA 03/25

Im Jahr 2017 blickte die Weinkooperative Única in Lagoa auf einen enormen Schuldenberg. Zudem – oder gerade deswegen – ging die Anzahl der Mitglieder stark zurück und mit ihnen die Menge an Trauben zur Verarbeitung. Die Situation verschlechterte sich zunehmend. 2018 nahm eine neue Verwaltung die Zügel in die Hand. Kurz darauf wurde die Anlage an Lieberwirth Gestão e Investimento Imobiliário S.A. verkauft, um die finanziellen Verpflichtungen der Genossenschaft gegenüber Banken zu erfüllen. Das Immobilieninvestment-Unternehmen ließ die Kooperative als Mieterin weiterhin das Gebäude nutzen. Dank dieser Vereinbarung konnte Única die Finanzen ordnen und weiter bestehen bleiben. Doch was damals als Rettung der Weinkooperative gefeiert wurde, könnte nun ihr Ende bedeuten. Der Vertrag wurde nicht verlängert, die Anlage wurde verkauft und die Genossenschaft muss das Gebäude im Sommer räumen. Falls kein alternativer – wenn auch nur vorübergehender – Standort gefunden wird, droht die Schließung eines historischen und wichtigen Pfeilers des Weinbaus in der Algarve.

Foto: CVA/Vico Ughetto

Herausforderungen und Konsequenzen
Die Suche nach einem neuen Standort stellt die Koo­perative vor enorme Herausforderungen. Neben den logistischen Schwierigkeiten, den Betrieb zu verlagern, sind viele der gelagerten Weine bis Juli noch nicht bereit für die Abfüllung und können nicht transportiert werden, ohne die Qualität zu beeinträchtigen.

Die Produktion in den Alentejo zu verlegen sei undenkbar, da Única Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung (DOP) und geschützter geografischer Angabe (IGP) produziert und sie dann zu Tafelwein herabstufen müsste. Zudem wäre die Algarve dann die einzige Weinbauregion Portugals ohne eine Genossenschaft zur Vertretung der kleinen Winzer.

Darüber hinaus würde eine Schließung nicht nur die Única selbst betreffen, sondern auch viele kleine Weinbauern in der Region, die auf die Dienstleistungen der Kooperative angewiesen sind. Darunter auch bekannte Labels wie Barranco do Vale und Dona Niza, die über keine eigene Weinkellerei verfügen und ihre Weine in der Kooperative produzieren lassen. Quinta dos Capinhas, ein Weingut bei Porches, das Eigentum von Horst Lieberwirth ist, der auch Miteigentümer von Lieberwirth Gestão e Investimento Imobiliário S.A. ist, ließ bis vor zwei Jahren ebenfalls seine Weine bei Única produzieren.

Die gesamte Weinwirtschaft der Algarve könnte beeinträchtigt werden​, da selbst größere Produzenten mit eigenen Weinkellereien nicht in der Lage sind, diesen Service für die kleineren Winzer zu leisten.

Auch die Weinkommission der Algarve (CVA) zeigt sich besorgt über das ungewisse Schicksal der Única. „Es wäre bedauerlich, wenn die Region diese Weinkooperative verlieren würde, die die drittälteste des Landes ist und die gesamte Weinbauvergangenheit der Region veranschaulicht. Außerdem stellt sie einige differenzierte Produkte her und hat nachweislich qualitativ hochwertige Labels“, so Sara Silva, Präsidentin der CVA. „Das gesamt historische Erbe ist gefährdet. Es ist nicht nur das emblematische Gebäude, sondern vor allem die Fortsetzung der Arbeit. Heute hat die Adega Cooperativa do Algarve nicht mehr die quantitative Bedeutung von früher, aber sie unterstützt weiterhin die kleinen Winzer, die ein sehr wichtiges wirtschaftliches Gefüge für jede Region darstellen“, fügte sie hinzu.

Möglichkeiten und Zukunftsperspektiven

Die Stadtverwaltung von Lagoa zeigt sich besorgt über die mögliche Schließung. Die Anlage zu erwerben, werde nicht ausgeschlossen, sagte Bürgermeister Luís Encarnação Ende Januar gegenüber der regiona­len Wochenzeitung Barlavento. 2018 sei das Rathaus nicht über die schwierige Situation der Genossenschaft in Kenntnis gesetzt und erst im Nachhinein über den Verkauf des Gebäudes informiert worden. Heute könnte die Stadtverwaltung ihr Vorkaufsrecht ausüben, sofern der Preis im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten liege.

Doch gemäß dem rechtlichen Rahmen für die städtische Sanierung (Regime Jurídico da Reabilitação Urbana, RJRU; Gesetz nr. 32/2012) hat die Verwaltungseinheit eines städtischen Sanierungsgebiets ein Vorkaufsrecht beim Erwerb von Immobilien innerhalb dieses Gebiets. Im konkreten Fall befindet sich die betreffende Weinkellerei innerhalb des Sanierungs­gebiets (Área de Reabilitação Urbana, ARU) von ­Lagoa, das im Februar 2018 festgelegt wurde, und die Verwaltungseinheit der ARU von Lagoa ist die Stadtverwaltung von Lagoa selbst.

Laut Gesetz muss der Verkäufer eines in einem ­Sanierungsgebiet befindlichen Gebäudes die Verkaufsabsicht über die Webseite „Casapronta“ (eingerichtet im Rahmen des Gesetzes Nr. 263-A/2007) mitteilen. Die Stadtverwaltung muss dann innerhalb einer Frist von zehn Tagen ihr Interesse bekunden. Falls die Stadtverwaltung ihr Vorkaufsrecht nicht nutzt, kann sie eine Verzichtserklärung abgeben. Erfolgt innerhalb der festgelegten Frist keine ausdrückliche Erklärung der öffentlichen Stelle – sei es, um das Vorkaufsrecht auszuüben oder abzulehnen –, verfällt das gesetzliche Vorkaufsrecht.

Was darauf schließen lässt, dass bereits im Jahr 2018, als der Verkauf der Weinkooperative an ­Lieberwirth S.A. vollzogen wurde, die gesetzliche Verpflichtung bestand, die Stadtverwaltung im Voraus zu informieren.

Wer auch immer die Anlage erwirbt, wird mit ­einigen Anforderungen konfrontiert sein, die 2021 – bereits mit der Absicht, das historische Erbe der Genossenschaft zu schützen – im städtischen Raum­ordnungsplan (PDM) aufgenommen wurden. Der Bürgermeister hat klargestellt, dass Wohnbauprojekte auf dem Gelände ausgeschlossen sind. „Vorgesehen sind Handel und Dienstleistungen. Zudem ist ein Indus­trie­archäologie-Bereich definiert, um die Weinproduktion aufrechtzuerhalten und ein Bereich für ein museales Projekt. Dies ist eine Forderung, die die Stadt immer an den Eigentümer der Anlage stellen wird“, ­erklärte der Bürgermeister gegenüber Barlavento. „Was die Stadtverwaltung gerne sehen würde, ist ein Boutique-­Hotel, ein Restaurant oder Geschäfte, immer im ­Zusammenhang mit dem Thema Wein“, fügte der Bürgermeister hinzu.

Der Preis lag jedoch nicht im Rahmen der finan­ziellen Möglichkeiten der Stadtverwaltung, die somit ihr Vorkaufsrecht nicht wahrnahm. Das Gebäude wurde Mitte Februar verkauft. Die Pläne des neuen Eigentümers für das Areal sind noch nicht bekannt.

Die kommenden Monate werden entscheidend sein, um eine Lösung zu finden, die den Fortbestand der Kooperative sichert und das kulturelle Erbe bewahrt.

 

Der Verkäufer

Angesichts der Vorwürfe, die von Weinliebhabern der Algarve gegen den Eigentümer von Lieberwirth S.A. erhoben werden – er würde das „Ende der Weinkooperative herbeiführen“ und „regionales Kulturerbe zerstören“ –, haben wir das Gespräch mit Horst Lieberwirth gesucht.

ESA: Herr Lieberwirth, Sie haben das Areal der Weinkooperative 2018 gekauft?

Horst Lieberwirth: Nicht ganz. Der endgültige Kauf fand zwar 2018 statt, aber unsere Verbindung mit der Immobilie reicht weiter zurück – etwa bis 2015. Damals hatten wir eine Kaufoption auf das Gebäude, was verhinderte, dass es zwangsversteigert wurde. Ohne diese Option hätte die Única bereits früher schließen müssen.
In den darauffolgenden Jahren haben wir intensiv an einem Konzept für das Gelände gearbeitet. Unser ursprünglicher Plan war es, ein Tourismus-Hub zu schaffen – eine Investition von etwa € 30 bis € 40 Mio. Doch nach eingehenden Analysen kamen wir zum Schluss, dass es sich wirtschaftlich nicht rechnete. Damals war die touristische Saison in der Algarve noch zu kurz. Ein Teil des Jahres hätten wir schließen müssen. Heute wäre das vielleicht anders, da sich die Tourismuslandschaft verändert hat und auch im Winter viele Besucher hier sind, aber zu jener Zeit war das Projekt schlicht nicht tragfähig.
Letztlich standen wir vor der Entscheidung: Verlieren wir das investierte Geld für die Kaufoption oder erwerben wir die Immobilie dennoch, auch ohne das Projekt umzusetzen? Wir haben uns für den Kauf ­entschieden, weil wir überzeugt waren, dass das Areal langfristig seinen Wert behalten würde.

Warum haben Sie die Genossenschaft als Mieterin behalten?

Als wir die Immobilie erwarben, bat uns Única, auch das Inventar, also die Geschäftsausstattung, zu kaufen. Da wir selbst mit Weinanbau begonnen hatten und die Notwendigkeit, mittelfristig selbst zu keltern auf der Hand lag, kam uns das entgegen.
Wir wussten, dass die Genossenschaft finanziell angeschlagen war, boten ihr daher an, die Räumlichkeiten zu einer niedrigen Miete weiterhin zu nutzen. Allerdings unter der Bedingung, dass sie selbst für den Erhalt der Ausstattung aufkommt.
Dieser Mietvertrag war von Anfang an zeitlich begrenzt und lief nun aus. Gleichzeitig befinden wir uns im Endstadium der Verkaufsverhandlungen für die Immobilie. Der Käufer wird entscheiden, was künftig mit dem Gelände geschieht.

Er muss sich aber an bestimmte Auflagen halten. Es muss ein Bezug zum Wein erhalten bleiben, oder?

Das ist so nicht ganz richtig. Es gibt keinen Denkmalschutz oder eine feste gesetzliche Vorgabe, die den neuen Eigentümer dazu verpflichtet, einen Bezug zur Weinproduktion beizubehalten.
Natürlich hat die Stadtverwaltung ein Interesse daran, dass das ­Gelände weiterhin mit Wein in Verbindung steht – beispielsweise durch ein Museum oder ein Boutique-Hotel mit Weinthema. Solche Dinge ­werden aber in Verhandlungen geklärt. Oft einigt man sich darauf, dass der Käufer gewisse Wünsche der Stadt berücksichtigt, während die Stadt im Gegenzug steuerliche Erleichterungen gewährt. Aber eine rechtliche Verpflichtung gibt es nicht.

Könnte auf dem Areal ein Boutique-Hotel mit Weinthema gebaut ­werden?

Das wäre durchaus möglich, liegt aber nicht in meiner Hand. Die ­Verhandlungen sind fast abgeschlossen, der Vorvertrag wird voraussichtlich nächste Woche (Mitte Februar) unterzeichnet. Was genau der ­Käufer plant, weiß ich nicht – und selbst wenn, würde ich mich dazu nicht ­äußern.

Es gibt Stimmen, die Sie als denjenigen sehen, der das Ende der ­Adega herbeiführt. Was sagen Sie dazu?

Diese Vorwürfe entbehren jeder Grundlage. Die Adega war bereits seit Jahren wirtschaftlich am Ende. Ich kenne die Jahresabschlüsse und die wirtschaftliche Realität.
Jahrelang kämpfte Única mit Schulden gegenüber ihren Mitglieds­winzern, sodass viele gezwungen waren, die Genossenschaft zu verlassen oder sich andere Wege zu suchen. Jahrzehntelange Managementprobleme haben Única in eine Lage gebracht, in der sie keine eigenen Räumlichkeiten, keine Geschäftsausstattung, kaum Personal und nur noch eine begrenzte Betriebsfähigkeit hat. Eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft wird schwer zu realisieren sein. Die einzige Möglichkeit, Única zu retten, wäre ein externer Investor, der bereit ist, Millionen in eine neue Produktionsstätte zu stecken.
Meiner Meinung nach sollte Única als historisches Wahrzeichen des Algarve Weins erhalten bleiben – als ein Erbe, das geehrt und in Erinnerung behalten werden sollte.

 

Ein Blick in die Geschichte der Kooperative

Die Geschichte der Única reicht bis ins Jahr 1945 zurück, als die Adega Cooperativa de Lagoa gegründet wurde. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Genossenschaft zu einem wichtigen Akteur in der Region, indem sie die Weinproduktion vieler kleiner Bauern bündelte und koordinierte. In den 1970er Jahren erreichte sie ihren Höhepunkt mit fast 400 Mitgliedern und einer jährlichen Produktion von vier Millionen Litern Wein, was sie zur größten Weinproduzentin der Algarve und zu einer der wichtigsten im Land machte.

In den goldenen Jahren der Produktion überschritt der ­Algarve-Wein Grenzen, versorgte die Streitkräfte im Überseekrieg und garantierte vielen Familien in der Region ein Einkommen. Die 1980er Jahre brachten jedoch eine tiefe Krise im Sektor. Der Tourismusboom und die Immobilienexpansion, gepaart mit einem Mangel an Anreizen zur Modernisierung der Produktion, reduzierten die Anbauflächen und die Wettbewerbsfähigkeit des Algarve-Weins drastisch. In den 1990er Jahren symbolisierte die Schließung der Weingenossenschaften von Portimão und Tavira eine Phase des scheinbar unumkehrbaren Niedergangs. Dennoch erlebte die Kooperativbewegung 2008 eine Wiedergeburt, als sich die Genossenschaften von Lagoa und Lagos zur Única – Adega Cooperativa do Algarve zusammenschlossen. Seitdem hat Única kontinuierlich Weine aus lokalen Rebsorten sowie spezielle ­Likörweine produziert, die sowohl national als auch international Anerkennung finden​. Seit Kurzem werden auch Brandweine und Sangria produziert.

Das Museum der Kooperative

Ein besonderes Merkmal der Única ist ihr kleines Museum, das die reiche Geschichte der Weinproduktion in Lagoa dokumentiert. Besucher können hier alte Weinbaugeräte, Dokumente und andere Artefakte besichtigen, die einen Einblick in die industrielle Vergangenheit und die Tradition des Weinbaus in der Region geben. Dieses Museum ist nicht nur ein Zeugnis der ­Vergangenheit, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes von Lagoa​.

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