In Faro sorgt die Zukunft der ehemaligen Brauerei „Fábrica da Cerveja“ für politische und gesellschaftliche Kontroversen. Das markante gelbe Gebäude in der Altstadt (Vila Adentro), in dem heute u. a. die Musikervereinigung Associação Recreativa e Cultural de Músicos untergebracht ist, könnte nach Angaben der Bewegung Movimento pela Fábrica möglicherweise an private Investoren verkauft werden. Dagegen formiert sich nun Widerstand aus der Kulturszene.
Die neu gegründete Movimento pela Fábrica, der inzwischen 25 Kulturvereine, zivilgesellschaftliche Initiativen und NGOs aus der Algarve angehören, warnt vor einem „schädlichen und irreparablen Verlust“ für die Stadt. Die Bewegung fordert, dass das historische Gebäude im öffentlichen Besitz bleibt und weiterhin kulturellen Zwecken dient.
Die zwischen 1930 und 1940 errichtete ehemalige Brauerei gilt als bedeutendes Beispiel industrieller Architektur in Faro und ist als Gebäude von öffentlichem Interesse eingestuft. In den vergangenen Jahren entwickelte sich das Gebäude zu einem wichtigen Veranstaltungsort für Kultur- und Kreativprojekte in der Region. Erst kürzlich fand dort das „Algarve Design Meeting“ statt. Zudem beherbergt das Gebäude Proberäume, Studios und Unterrichtsräume der Musikervereinigung.
Bereits 2022 hatte die damalige Stadtverwaltung im Rahmen des Kulturentwicklungsplans „Plano Estratégico para a Cultura 2030“ (PEC 2030) angekündigt, rund 13 Millionen Euro in die Sanierung des Gebäudes zu investieren. Vorgesehen war ein Zentrum für Kunst, Kreativität sowie technologische und wissenschaftliche Projekte. Das Vorhaben stand auch im Zusammenhang mit der Bewerbung Faros als Europäische Kulturhauptstadt 2027, die jedoch erfolglos blieb.
Nach dem Wechsel an der Rathausspitze stellt die neue Stadtregierung die Pläne nun infrage. Bürgermeister António Miguel Pina erklärte, für das Projekt gebe es keine gesicherte Finanzierung. Die früheren Ankündigungen seien aus seiner Sicht unrealistisch gewesen. Stattdessen müsse die Stadt dringend Mittel für andere sanierungsbedürftige Kulturstätten bereitstellen, darunter das Stadtmuseum, in das nach Angaben des Bürgermeisters bereits Regen eindringt. Das Museu Municipal war allerdings zwischen Februar und August 2024 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen (ESA berichtete).
Zugleich bestätigte Pina, dass eine Hotelgruppe Interesse an dem Gebäude bekundet habe. Konkrete Verhandlungen oder Entscheidungen gebe es bislang jedoch nicht. Zudem verwies der Bürgermeister auf einen aktuellen Bericht des Zivilschutzes, der erhebliche strukturelle Mängel sowie Defizite beim Brandschutz festgestellt habe. Das Gebäude könne daher kurzfristig sicherheitsrechtliche Probleme verursachen.
Die Movimento pela Fábrica wirft der Stadtverwaltung vor, sich von früheren politischen Zusagen zu distanzieren. Die Initiative erinnert daran, dass der Kulturentwicklungsplan PEC 2030 im Jahr 2020 von allen im Stadtrat vertretenen Parteien einstimmig verabschiedet worden sei. Die Bewegung fordert nun dringend Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen sowie die Einhaltung der damals beschlossenen kulturellen Nutzung des Gebäudes.
Nach Angaben der Initiative seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach Konzepte zur Umwandlung der ehemaligen Brauerei in ein öffentliches Kultur-, Technologie- und Wissenschaftszentrum erarbeitet worden. Die Aktivisten befürchten, dass eine Privatisierung zur weiteren Entleerung der historischen Altstadt führen könnte. Geplant sind nun eine öffentliche Petition sowie weitere Informations- und Protestaktionen.

