Jetzt, da die Temperaturen angenehmer sind, haben wir uns auf den Weg in die Serra de Monchique gemacht, um die neueste Attraktion in der Algarve für Naturbegeisterte ohne Höhenangst zu erleben: den Passadiço do Barranco do Demo.
Ursprünglich haben wir vor die 7,2 km lange Route PR9 MCQ – Entre o Vale e o Castelo in Alferce, Monchique, zu erkunden. Doch nachdem uns im Dorf mitgeteilt wird, dass der Passadiço do Barranco do Demo, ein etwa 1 km langer Holzsteg, der sich an den steilen Hängen der Schlucht Barranco do Demo entlangwindet, entgegen der Darstellung im Präsentationsvideo der Gemeinde kein Teil der genannten Route ist, beschließen wir, unseren Plan zu ändern. Denn um den Hauptgrund unserer Wanderung zu erreichen, den Holzsteg nämlich, müssten wir einen Umweg von etwa 3 km machen. Hinzu käme ein weiterer Abstecher von 2 km zu den Ruinen der Burg von Alferce. Das erscheint uns in der hügeligen Landschaft mit zahlreichen steilen Anstiegen zu weit. Also entscheiden wir uns dafür, lediglich den Holzsteg und die Burg zu besuchen.
Die Wanderung beginnt im Zentrum des kleinen, ruhigen Dorfes, wo ältere Menschen auf Bänken sitzen und uns freundlich grüßen. Hinter der Kirche, neben dem „Espelho de água“, einem kleinen öffentlichen Pool, folgen wir den gelb-roten Markierungen des PR9 MCQ bis zum Friedhof. Auch hier hätten wir unser Auto abstellen können, doch dann hätten wir den kurzen Spaziergang durch das charmante Dorf verpasst.
Rechts neben dem Friedhof erkennen wir bereits in der Ferne den Holzsteg an den steilen Hängen. Ein Wegweiser an der Gabelung hinter dem Friedhof zeigt uns den Weg auf den Pfad nach rechts. Der PR9 führt weiter geradeaus. Der Hang rechts neben dem breiten Schotterweg, der uns zum Holzsteg führt, ist mit Bauschutt und anderem Müll übersät, was keinen guten Eindruck von der neuen „Attraktion“ in Alferce hinterlässt. Die Gemeinde hätte den Müll entfernen sollen, bevor sie den Steg für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.
Nach etwa 500 m erreichen wir den Holzsteg und sind beeindruckt. Nicht so sehr von der Natur, obwohl diese großartig ist, sondern von der menschlichen Ingenieurskunst: Die Holzkonstruktion scheint förmlich in die steilen Hänge eingebettet zu sein. Bevor wir den Anstieg in Angriff nehmen, müssen wir jedoch zuerst hinabsteigen. Am Ende erwartet uns das Highlight dieser Route: die Hängebrücke. Wir haben viel über die 50 m lange Brücke in 20 m Höhe über dem derzeit trockenen Wasserlauf Barranco do Demo gehört. Es hieß, es erfordere Mut und sei ein Adrenalinkick. Tatsächlich ist die Überquerung recht entspannt – zumindest für diejenigen von uns, die keine Höhenangst haben. Die Struktur ist äußerst sicher, und man spürt nur eine leichte Schaukelbewegung, insbesondere in der Mitte der Brücke. Mein achtjähriger Sohn, der normalerweise ein wenig Höhenangst hat, begleitet mich auf diesem Abenteuer und überquert die Brücke sehr gelassen. Auf der anderen Seite angekommen, beginnen wir den endlos erscheinenden Treppenaufstieg zur Aussichtsplattform am Ende des Stegs. Wie viele Stufen es hinauf geht, können wir nicht sagen. Wir haben das Zählen irgendwann aufgegeben. Oben angekommen, finden wir zwei Tische und Bänke vor, die uns zur Rast einladen, und genießen den Ausblick.
Anschließend haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder den Steg zurück zum Ausgangspunkt zu nehmen (1,5 km) oder der Straße rechts neben der Plattform bis zur Straße M1073 zu folgen (1,6 km), und dann weiter zur Kirche (1,5 km). Da mein Sohn unbedingt die Brücke noch einmal überqueren möchte, entscheiden wir uns für den Rückweg über den Steg.
Für die insgesamt 3 km benötigen wir etwa zwei Stunden, verbringen jedoch einige Zeit mit Fotografieren und machen eine Pause für einen kleinen Snack auf der Aussichtsplattform.
In Alferce fahren wir mit dem Auto auf der M1073 zurück und nach etwa 2 km stoßen wir auf den Wegweiser zur Ruine des Castelo de Alferce. Wir parken am Straßenrand und folgen dem breiten Schotterweg etwa 650 m den Hügel hinauf. Die verbrannten Stämme zeugen von einem früheren Waldbrand. Zwischen den Korkeichen, Eukalyptusbäumen und vereinzelten Erdbeerbäumen liegt noch immer trockenes, abgebranntes Gestrüpp, das leider beim nächsten Feuer als Brandbeschleuniger wirken könnte.
Die Ruinen der Burg befinden sich auf einem Plateau in 490 m Höhe. Im September fanden archäologische Arbeiten statt. Fábio Capela leitete die Ausgrabungen an der Burg aus dem 10./11. Jahrhundert, die zu vielen gut erhaltenen Fundstücken aus verschiedenen Epochen führten. Unterhalb der Burg wurden sogar intakte oder nahezu intakte keramische Stücke aus der Bronzezeit des Südwestens gefunden, was bedeutet, dass diese Funde 3.500 bis 4.000 Jahre alt sind. Neben den alten Mauern, die die gesamte Struktur umgeben, ermöglichten neue Sondierungen das Auffinden von Hauswänden und sogar von zwei Silos. Die Archäologen sind begeistert und erwägen, die Ausgrabungen, die derzeit bis 2024 geplant sind, zu verlängern. Fábio Capela ist der Ansicht, dass die Ruinen, die derzeit als von öffentlichem Interesse eingestuft sind, den Status eines nationalen Denkmals erhalten sollten.
Von den Überresten der Mauern auf dem Gipfel schauen wir nun in die weite Hügellandschaft und erblicken in der Ferne den Odelouca-Stausee und am Horizont den Atlantik. In naher Zukunft soll die Besichtigung der Burgruine durch die Eröffnung des Interpretationszentrums in Alferce und die Aufstellung von Erklärungstafeln auf der archäologischen Stätte erweitert werden. Auch eine Aussichtsplattform, die über dem östlichen Hang des Hügels liegen wird, ist geplant. Diese wird zweifellos einen spektakulären Ausblick bieten.
Text: Anabela Gaspar
In ESA 10/23

