Portugal muss sein System zur Finanzierung der Straßen grundlegend umbauen. Die Mobilitäts- und Verkehrsbehörde AMT (Autoridade da Mobilidade e dos Transportes) stellt in einer strategischen Studie künftig eine stärkere direkte Beteiligung der Autofahrer an den Kosten der Straßeninfrastruktur in Aussicht – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Elektromobilität.
Derzeit stammen rund zwei Drittel der straßenbezogenen Einnahmen aus der Consignação de Serviço Rodoviário (CSR), einer zweckgebundenen Abgabe auf Kraftstoffe. Etwa ein Drittel entfällt auf Mautgebühren. Dieses Modell gerät durch die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands unter Druck: Je weniger fossile Kraftstoffe verbraucht werden, desto kleiner wird die Einnahmebasis der CSR. 2025 flossen über die CSR rund 691 Millionen Euro an die Infraestruturas de Portugal (IP).
Die AMT schlägt deshalb vor, die Finanzierung stärker an der tatsächlichen Nutzung der Straßen auszurichten. Eine Möglichkeit wäre eine kilometerabhängige Gebühr („Road Pricing“). Die Studie nennt außerdem unterschiedliche Tarife je nach Fahrzeugklasse, Nutzungsintensität, Tageszeit, Verkehrsaufkommen und Umweltmerkmalen. Technisch könnten dafür unter anderem satellitengestützte Ortungssysteme eingesetzt werden.
Damit könnte langfristig auch für Elektroautos eine neue Form der Straßenabgabe entstehen. Die AMT nennt allerdings keinen konkreten Tarif und keine bereits beschlossene Abgabe für Elektrofahrzeuge. Vielmehr soll das künftige System technologieneutral sein und unabhängig davon funktionieren, ob ein Fahrzeug mit Benzin, Diesel oder Strom betrieben wird.
Im Mittelpunkt steht das Prinzip „Nutzer zahlt“: Wer die Infrastruktur nutzt, soll stärker zu ihrer Finanzierung beitragen. Die Studie unterscheidet dabei zwischen Gebühren zur Finanzierung von Bau, Erhaltung und Sanierung der Straßen und Abgaben, die externe Kosten wie Staus, Luftverschmutzung, Treibhausgasemissionen oder Lärm abbilden sollen.
Die Einführung soll schrittweise erfolgen. Bis 2028 sollen bestehende Maut- und Finanzierungsmechanismen angepasst und die Voraussetzungen für die Reform geschaffen werden. Zwischen 2028 und 2032 könnten dann neue, stärker nutzungsabhängige Finanzierungsinstrumente eingeführt werden. Bis 2040 soll ein dauerhaftes Modell etabliert sein.
Der Reformbedarf ist beträchtlich: Portugal verfügt über mehr als 29.000 Kilometer Straßen, darunter rund 3.700 Kilometer konzessionierte Autobahnen und etwa 5.800 Brücken, Viadukte und Tunnel. Gleichzeitig belasten öffentlich-private Straßenpartnerschaften den Sektor weiterhin mit mehr als einer Milliarde Euro jährlich.
Die AMT betont allerdings, dass ihre Studie kein fertiges Finanzierungsmodell vorgibt. Sie legt verschiedene Optionen vor. Dazu gehören neben kilometerabhängigen Gebühren auch Umweltabgaben, eine Weiterentwicklung der Maut sowie weiterhin öffentliche Mittel für Aufgaben wie territoriale Kohäsion, Verkehrssicherheit und die Widerstandsfähigkeit des Netzes.

