In mehreren portugiesischen Städten sind gestern Abend Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Wohnungsnot und hohe Immobilienpreise zu protestieren. Die Kundgebungen in Porto und Lissabon weiteten sich damit auf weitere Städte im Norden und Süden des Landes aus. Die Proteste richteten sich auch gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei bei der Räumung der Protestcamps in Porto und Lissabon.
In Braga versammelten sich rund 200 Menschen, mehrheitlich junge Menschen und Studierende der Universität Minho, im Stadtzentrum. Die spontane Kundgebung sei aus dem Wunsch der Bevölkerung entstanden, Solidarität mit den Protestierenden in Porto und Lissabon zu zeigen, erklärte Teresa Amorim, Sprecherin der Versammlung.
In Leiria demonstrierten rund 50 Menschen gegen die Polizeigewalt und forderten „Wohnraum für alle“. Auf Plakaten erinnerten sie daran, dass das Recht auf Wohnen in der portugiesischen Verfassung verankert ist. António Gonçalves, Sprecher der Bewegung Porta a Porta, betonte, der Kampf für bezahlbaren Wohnraum müsse im ganzen Land geführt werden. Die Wohnungsnot betreffe Portugal flächendeckend.
In Coimbra versammelten sich mehr als 400 Menschen auf dem Praça 8 de Maio, um konkrete und dringende Maßnahmen gegen die Wohnungsnot zu fordern. Die Demonstrierenden betonten, dass die Krise Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten betreffe. Mit Parolen wie „Ich will ein Dach, ich will einen Boden, ich will das Recht auf Wohnen“ bekundeten sie zudem ihre Solidarität mit den Protestcamps in Porto und Lissabon.
Auch im Alentejo gingen Menschen auf die Straße: In Évora versammelten sich rund 100 Personen vor dem Rathaus, in Beja waren es etwa 50 auf dem Praça da República. In Évora kündigten die Organisatoren für Freitag eine weitere Kundgebung an und riefen zu einer stärkeren Beteiligung auf.
In Faro demonstrierten rund 60 Menschen gegen die hohen Wohnkosten und die zunehmende soziale Ungleichheit. „Der Kampf um Wohnraum ist ein Kampf für die Demokratie“, sagte Afonso Coelho von der Bewegung Algarve em Resistência. Das Kollektiv kritisierte insbesondere die auf Rendite ausgerichtete Immobilienwirtschaft, die den Alltag vieler Menschen zunehmend belaste.
Innenminister Luís Neves hatte am Dienstagnachmittag erklärt, die Protestcamps seien beendet, und gewarnt, niemand solle es wagen, „Chaos zu stiften“.

