Die Plataforma Água Sustentável (PAS) fordert eine grundlegende Neuausrichtung der Wasserpolitik in der Algarve. In einem Dossier, das sie Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho übergeben hat, lehnt der Zusammenschluss regionaler und nationaler Umweltverbände drei für die Algarve geplante Großprojekte ab: die Entsalzungsanlage bei Praia da Falésia im Kreis Albufeira, die Wasserentnahme am Guadiana bei Pomarão und die Talsperre Foupana im Kreis Castro Marim.
Stattdessen fordert die PAS, zunächst Wasserverluste in den Leitungsnetzen zu reduzieren, gereinigtes Abwasser und Grauwasser stärker wiederzuverwenden und natürliche Wasserspeicher zu schützen und wiederherzustellen. Dazu legt die Plattform 15 Maßnahmen vor, die sie als vorrangig einstuft.
Entsalzungsanlage: PAS fordert Aufgabe des Projekts
Die Plattform bekräftigt ihre Ablehnung der geplanten Entsalzungsanlage bei Praia da Falésia. Das Projekt löse das Dürreproblem nicht, schaffe aber neue ökologische und wirtschaftliche Risiken. Die Investition wäre nach Ansicht der PAS besser in die Verringerung von Leitungsverlusten und die Wiederverwendung von Wasser angelegt. Zudem warnt PAS vor steigenden Kosten: Die Produktion von 20 % des Wassers durch Entsalzung könne die Kosten der übrigen 80 % erhöhen.
Kritik übt die Plattform auch am Umweltprüfungsverfahren. Das Vorhaben sei in mehrere Einzelverfahren aufgeteilt worden – für die Entsalzungsanlage, das Solarkraftwerk sowie die Meerwasserentnahme und Einleitung der Salzlake. Die ökologischen Folgen hätten jedoch gemeinsam bewertet werden müssen.
Besonders besorgt zeigt sich die PAS über die dauerhafte Einleitung von Salzlake und chemischen Rückständen ins Meer. Meeresströmungen könnten diese sowohl nach Osten als auch nach Westen transportieren und damit geschützte Gebiete und Ökosysteme der Ria Formosa sowie des maritimen Naturparks Pedra do Valado beeinträchtigen.
Pomarão: Kritik an zusätzlicher Bewässerung
Auch die geplante Wasserentnahme aus dem Guadiana bei Pomarão lehnt die PAS ab. Sie diene vor allem dazu, zusätzliche Bewässerungsflächen im Bewässerungssystem Beliche-Odeleite (Kreise Alcoutim, Castro Marim und Vila Real de Santo António) zu ermöglichen. Damit werde eine Landwirtschaft gefördert, die nicht an die Wasserknappheit der Region angepasst sei.
Zur Untermauerung ihrer Kritik verweist die Plattform auf den Europäischen Rechnungshof. Dieser hatte bereits 2018 vor dem hohen Desertifikationsrisiko im Süden Portugals gewarnt und eine Anpassung der Anbaukulturen an die verfügbare Wassermenge sowie Maßnahmen gegen die Bodendegradation empfohlen. Auch eine Modernisierung der Bewässerungssysteme führe nicht zwangsläufig zu geringerem Wasserverbrauch: Einsparungen könnten durch wasserintensivere Kulturen oder eine Ausweitung der bewässerten Flächen wieder aufgezehrt werden.
Die PAS warnt zudem vor Folgen für den Guadiana-Unterlauf, der zum Natura-2000-Netz gehört. Die Entnahme werde den Flussabfluss verringern und könne die Salinität am Entnahmeort erhöhen. Weitere Risiken sieht sie für die Artenvielfalt entlang der geplanten Verbindungstrassen. Da der Guadiana ein grenzüberschreitender Fluss ist, müssten die Auswirkungen auch mit Spanien und der betroffenen Bevölkerung erörtert werden.
Insgesamt hält die Plattform den Nutzen des Vorhabens für höchst zweifelhaft. Die Investition lenke zudem von anderen Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserbewirtschaftung ab.
Foupana: Ablehnung der geplanten Talsperre
Auch die Talsperre am Fluss Foupana stößt auf entschiedenen Widerstand. Nach Ansicht der PAS müssen zunächst die Verluste in den Wassernetzen reduziert und die Nutzung gereinigten Abwassers ausgeweitet werden. Erst danach sollten weitere Infrastrukturprojekte zur Sicherung der Wasserversorgung geprüft werden.
Angesichts rückläufiger Niederschläge bezweifelt die Plattform die Wirksamkeit der Talsperre. Auch die Begründung als Mehrzweckinfrastruktur hält sie für nicht überzeugend. Tatsächlich gehe es vor allem darum, die Intensivbewässerung auszuweiten.
Als ökologische Folgen nennt die PAS Veränderungen des Abflussregimes, die Zerstörung und Fragmentierung von Lebensräumen sowie Risiken für die Wasserfauna. Für den Bau müssten zudem mehr als 70 Hektar Steineichenbestände gerodet werden. Die Plattform warnt auch vor möglichen Auswirkungen auf den Lebensraum des Iberischen Luchses.
Ein weiteres Problem sei der Rückhalt von jährlich rund 200.000 Kubikmetern Sand und Sedimenten. Dadurch könnte den Stränden und Dünen der östlichen Algarve langfristig der natürliche Sedimentnachschub entzogen werden, was die Küstenerosion beschleunigen würde.
Die PAS fordert deshalb eine ablehnende Umweltverträglichkeitserklärung, die das Projekt endgültig verhindert.
15 Maßnahmen für einen anderen Umgang mit Wasser
Als Alternative zu den umstrittenen Großprojekten schlägt die Plattform 15 Maßnahmen vor. Ausgangspunkt ist ihre Einschätzung, dass die Algarve vor einer strukturellen Wasserkrise steht: Auch wenn einzelne Jahre niederschlagsreich ausfallen, nähmen die Niederschläge und damit die verfügbaren Wasserreserven langfristig ab.
Zu den Prioritäten gehören:
- Bodenschutz und Wiederaufforstung: Regenwasser soll besser zurückgehalten und Bodenerosion verhindert werden. Dafür fordert die PAS die Wiederaufforstung mit heimischen Arten, insbesondere im Hinterland und in den Einzugsgebieten.
- Renaturierung von Gewässern: Natürliche Wasserläufe sollen wiederhergestellt und Oberflächenwasser stärker zur Landschaftsbefeuchtung, für Ökosysteme und kleinere Bewässerungsflächen genutzt werden.
- Regenwassernutzung: Gebäude sollen mit Anlagen zur Sammlung und Speicherung von Regenwasser ausgestattet werden. Öffentliche Einrichtungen sollen dabei eine Vorbildfunktion übernehmen.
- Wiederverwendung von Abwasser: Gereinigtes Abwasser soll verstärkt für Golfplätze, Grünflächen, die städtische Reinigung und geeignete landwirtschaftliche Kulturen eingesetzt werden. Bei Neubauten soll auch die Nutzung von Grauwasser vorgesehen werden.
- Sanierung der Netze: Die PAS fordert die Instandsetzung der Abwasser- und Regenwassernetze sowie den Schutz der Grundwasserneubildungsgebiete.
Landwirtschaft, Tourismus und Grünflächen im Fokus
Weitere Vorschläge betreffen die Kontrolle der Wasserentnahme. Für Grund- und Oberflächenwasser fordert die PAS strengere Genehmigungs- und Überwachungsverfahren, eine Meldepflicht für entnommene Mengen sowie mehr Personal und finanzielle Mittel für die zuständigen Behörden.
In der Landwirtschaft sollen Kulturen gefördert werden, die zum Wasserangebot und den klimatischen Bedingungen der jeweiligen Gebiete passen. Die Plattform spricht sich gegen exportorientierte Monokulturen aus und fordert Anreize für die Produktion zur Versorgung des nationalen Marktes.
Auch öffentliche und private Grünflächen müssten wasserbewusster gestaltet werden. Rasenflächen sollten zunehmend durch trockenheitsverträgliche Pflanzen sowie heimische Bäume und Sträucher ersetzt werden.
Darüber hinaus will die PAS die städtische und touristische Expansion stärker an die nachgewiesene Verfügbarkeit von Wasser und anderen grundlegenden Ressourcen knüpfen. Sie befürwortet außerdem Einschränkungen für den Bau neuer Schwimmbecken.
Abschließend fordert die Plattform einen besseren Zugang zu Informationen über den Zustand der Wasserressourcen und eine breite gesellschaftliche Debatte. Die Wasserbewirtschaftung müsse dringend und unter Beteiligung der gesamten Zivilgesellschaft neu diskutiert werden.

