In einer schmalen unscheinbaren Sackgasse in Portimão verbirgt sich ein kleiner Schatz, der sich Portimao Soup Kitchen nennt. Seit ihrer Gründung hat sich hier eine vitale Gemeinschaft entwickelt, die heute etwa 900 Mahlzeiten pro Woche ausgibt. Diese Entwicklung spiegelt nicht nur den Wandel der Suppenküche wider, sondern auch die Vielfalt der Menschen, die hier Hilfe finden und jener, die sich mit Herzblut ehrenamtlich engagieren
Die Suppenküche in Portimão, initiiert im Mai 2010 durch die International Christian Fellowship, der internationalen Kirchengemeinde in Portimão, hat im Laufe der Jahre eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen. Als eine der Gründungsmitgliederinnen erinnert sich Joy Borgan daran, wie sie ganz bescheiden begannen, etwa zwölf Menschen einmal pro Woche mit Suppe und Sandwiches zu versorgen. Damals wurden die Zutaten von den Mitgliedern der Gruppe gespendet und sie nutzten die Küche eines örtlichen Restaurants.
Im Laufe der Jahre ist die Suppenküche zu einer wichtigen Anlaufstelle für viele Hilfsbedürftige geworden. Ihre Räumlichkeiten befinden sich nun nahe der alten Brücke von Portimão. Die Zahl der ausgegebenen Mahlzeiten stieg auf beeindruckende 300, und das dreimal die Woche: dienstags, donnerstags und sonntags. Die Lebensmittel für die warmen Mahlzeiten und für die Proviantpakete, die den Menschen mitgegeben werden, erhält die Gruppe von der Banco Alimentar, lokalen Supermärkten und von Privatpersonen. Auch die gesamte Küchenausstattung wurde gespendet.

Die etwa 70 Freiwilligen sind eine bunt gemischte Gruppe aus Ländern wie England, den Niederlanden, Frankreich, Kanada, den USA, Deutschland und Südafrika. Auch Schüler der Nobelschool und der Brave Generation Academy in Lagoa unterstützen regelmäßig und tatkräftig die Suppenküche.
Genauso vielfältig ist die Gruppe von Menschen, die auf die Hilfe der Initiative angewiesen sind. „Sie umfasst Obdachlose sowie Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, aber nicht über die Runden kommen“, so Joy. Die Pandemie hat die Dynamik verändert. Vor ihr war die Suppenküche an zwei Tagen in der Woche geöffnet und versorgte zwischen 40 und 60 Menschen mit Lebensmitteln. „Es waren vor allem Portugiesen und Menschen aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien, die uns aufsuchten. Jetzt sehen wir eine steigende Anzahl von Migranten, die auf der Suche nach Arbeit nach Portugal kommen, aber keine oder nur eine prekäre finden“, berichtet sie weiter. „Sie kommen aus Usbekistan, Senegal, einige aus Russland, andere aus der Ukraine. Wir unterstützen auch zwei Italiener, einen Deutschen und einen Kroaten, aber die meisten kommen aus Algerien und Marokko und immer mehr aus Indien. Es sind etwa 160 Menschen, die meisten nehmen aber Essen für zwei mit. Einige weil sie Familie haben, andere weil sie einfach hungrig sind“, erklärt Joy.
Salah erzählt mir seine Geschichte. Er kam vor eineinhalb Jahren aus Algerien. Seine Frau und sechs Kinder hat er in der Heimat gelassen. Er wollte für sie Geld verdienen. Doch dies gestaltet sich schwierig. Er hat auf Baustellen und in der Landwirtschaft gejobbt und im Sommer in einem Hotel in Alvor. Doch dieses ist über die Wintermonate geschlossen. Derzeit ist er arbeitslos, bekommt aber kein Arbeitslosengeld, denn dafür hätte er 12 Monate Sozialabgaben zahlen müssen. Salah teilt sich eine kleine Wohnung mit einem Freund. Im März müssen sie ausziehen, denn dann gilt die Wohnung der Ferienvermietung. Seine Hoffnung: Wieder in einem Hotel zu arbeiten.
Diese Änderung bezüglich der Nationalitäten, führte auch zu einer Veränderung des Angebots. Da viele der Hilfsbedürftigen Muslime sind, stehen nun auch sogenannte „Halal-Päckchen“ zur Verfügung sowie eine vegetarische Mahlzeit und die meisten Brötchen sind nicht mit Schinken, sondern mit Käse belegt.
Die Suppenküche ist nicht nur ein Ort der Hilfe, sondern auch der Gemeinschaft. Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt kommen hier zusammen und verständigen sich – wie ich miterleben durfte – mit Händen und Füßen. Das Engagement der Freiwilligen wie Marga Otten aus den Niederlanden, die seit drei Jahren jeden Donnerstag für die Zubereitung der Mahlzeiten verantwortlich ist, ist bewundernswert. Auch sie kam wegen der Pandemie hinzu. „Als der erste Lockdown die Menschen dazu zwang, zu Hause zu bleiben, hatte ich in meinem Unternehmen nicht viel zu tun. Also beschloss ich, etwas für die Gesellschaft zu tun. Jetzt läuft mein Unternehmen wieder, aber alle Kunden wissen, dass ich donnerstags in der Suppenküche bin“, so Marga gut gelaunt. Durch ihr Engagement erfuhren ihre Kunden über die Hilfsorganisation und einige unterstützen diese nun auch. So zum Beispiel Dirk Hoffmann, Lehrer an der Deutschen Schule Algarve, der nun an Margas Seite am Herd steht. „Es hat mich überwältigt, dass so viele Menschen hier in Not sind. Aber es ist auch sehr schön ein Lächeln auf ihren Gesichtern zu sehen. Wenn ich hier bin, sehe ich Dinge, die mir so sehr zu Herzen gehen, dass ich am Ende mit mehr nach Hause gehe als ich gekommen bin“, so Dirk glücklich. Sichtlich glücklich ist Phileine, eine junge niederländische Schülerin der Brave Generation Academy, die lächelnd kleine Pirouetten dreht während sie die mit Lebensmitteln vollgepackten Tüten und die warmen Mahlzeiten verteilt.
„Die Unterstützung durch Spenden und freiwillige Arbeit bleibt entscheidend für unsere Mission und jeder Beitrag, sei es in Form von Lebensmitteln, Geld oder Zeit, wird geschätzt. Wir möchten weiterhin ein Ort der Hoffnung und Hilfe für diejenigen sein, die es am meisten benötigen“, betont Joy zum Abschied.
Text Anabela Gaspar
In ESA 02/24

