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You are at:Home»Leben & Kultur»Freizeit»Die hängenden Gärten am Rio Arade
Freizeit

Die hängenden Gärten am Rio Arade

By agasparMo. 19. Mai 2014Updated:Fr. 24. Oktober 20147 Mins Read

Silves´ Ansicht wird vom roten Sandstein der Burg bestimmt. Zinnenmauern -­ Kennzeichen fast aller maurischer Burgen. Die Brücke über den Rio Arade ist römischen Urspungs

Text: ROLF OSANG

Die rotbraune Burganlage von Silves ­ eine der stattlichsten Portugals ­ gab es schon zu römischen Zeiten. Westgoten bauten sie ab dem 5. Jahrhundert aus. Dann kamen die Mauren. Ihre Hauptstädte sind immer im Landesinneren, sind immer an einem von Schiffen erreichbaren Fluss gelegen und haben ein fruchtbares Umland, das sich gut bewässern lässt. All dies trifft für Silves zu. Also erkoren die Mauren diesen Ort zur Metropole ihrer westlichsten Provinz Al-Gharb

Metropole in einer Festung, das bedeutete bei den Mauren etwas anderes als in England oder Deutschland, wo seinerzeit, ­ wir sprechen über das dunkle 8. Jahrhundert, ­ die Menschen ihre Argumente lieber mit der Keule vorbrachten und ihr Gegenüber abschlachteten, als dass man mit ihm eine Ernte, einen Stier oder Brennholz teilte. Die kulturelle Schere zwischen ,,Christen“ im Norden Europas und ,,Ungläubigen“ im Norden Afrikas klaffte ganz fürchterlich auseinander. Akademie in der Burg Natürlich dauerte es Jahrzehnte, bis die Mauren ihr Xelb (Silves) so hergerichtet hatten, wie die Architekten des Kalifen es anempfohlen hatten: Hängende Gärten wurden rund um die erheblich vergrößerte Burganlage angelegt, eine Moschee gebaut, und dazu gehörte in einer islamischen Metropole immer auch eine Akademie für die Lehre des Korans, für Mathematik, Sternenkunde, Geometrie und Medizin. Man sollte in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass Heinrich der Seefahrer nur deshalb jüdische und arabische Gelehrte aus dem gesamten Mittelmeerraum um sich scharen konnte, weil die Algarve selbst im 15. Jahrhundert, lange nach der Rückeroberung durch die Christen also, eine Reputation der Wissenschaft und Toleranz genoss.

Vom Erlöschen einer Kultur In etwas ganz und gar Natürlichem sind die Spuren der maurischen Epoche heute noch unübersehbar: in den zahllosen Orangenhainen. Die Apfelsinen von Silves galten im Imperium Portugal immer als die süßesten. Selbst heute, wo Großteile der portugiesischen Landwirtschaft darben und danieder liegen, werden die Früchte aus Silves auf den Märkten im ganzen Land, von Barcelos bis Malveira, zu Höchstpreisen verkauft. Leider steht es nicht so gut um die Mandeln, die man links liegen lässt und deren Stämme und Äste in wenigen Jahren absterben, werden sie nicht gepflegt. Die Blüte im Januar und Februar 2005 war so prachtvoll wie schon seit Jahren nicht mehr. Wie ein Aufbäumen einer geschundenen Natur, die unter der Trockenheit und der Missachtung leidet, so wirkte sie. Christenliebe Von wegen Niedergang: Auch die Blüte der maurischen Macht dauerte nicht ewig. Von inneren Streitigkeiten der führenden Familien geschwächt, wurde das Maurenreich anfällig. Jetzt sahen die Portugiesen (ihren Staat gab es weiter im Norden seit dem 12. Jahrhundert) die Chance, die Maurenhochburg zu zerstören. Nach diversen Anläufen gelang das in der Mitte des 13. Jahrhunderts mit der Hilfe von Kreuzrittern aus Nordeuropa. Diese befanden sich auf dem Weg zur Rückeroberung von Jerusalem und passierten seinerzeit die portugiesische Küste. Die Gelegenheit, maurisches Gold und Schmuck zu plündern, ließen sie sich nicht entgehen. War die Burg dann endlich genommen, wüteten die Christenmänner auf die denkbar unchristlichste Art. Sie metzelten fast die gesamte Einwohnerschaft nieder, rissen Häuser und Gartenmauern ein, legten Brände. In feuriger Hooligan-Lust zerstörten sie die Metropole. Das war das Aus für Silves. Wer überlebte, zog weg an die Küste oder floh nach Marokko. Später kehrten einige Mauren zurück nach Xelb oder Silves, wie es jetzt hieß. Die Portugiesen ließen sie gewähren, hatten doch die blutrünstigen Soldaten Gottes nicht mehr das Sagen in Portugals südlichster Provinz. Auch Juden fühlten sich hier wohl und brauchten sich nicht so arg vor der Faust der Inquisition zu fürchten wie beispielsweise in Lissabon. In Silves machte man stille Geschäfte. Aber einen wahren Wiederaufstieg hat es seither nie mehr gegeben, auch wenn die Korkindustrie (,,Fábrica do Inglês“) im 19. und 20. Jahrhundert viele Arbeitsplätze besorgte und einen gewissen bürgerlichen Wohlstand ermöglichte. Das moderne Korkmuseum im Gemäuer der Fábrica ist vorbildlich angelegt. Anhand von Maschinen und Fotos von historischem Wert versteht der Besucher den Arbeitsprozess und bekommt viel mehr Verständnis für die Materie Kork. Die Fabrik schloss erst in den Siebzigerjahren.

Betonierte Sünden

Der Küstenanteil des Concelho Silves ist knapp, aber er weist herrliche Strände auf ­ und rund um Armacão da Pêra leider auch immer mehr Ferienanlagen und touristische Infrastrukturen. Die Bauwut wirkt blind, ungebremst und ungestüm. Sie lässt so manchem, der auch nur ein bisschen Sinn für die Schönheit dieses traumhaften Küstenstreifens hat, die Tränen in die Augen steigen. Zu bremsen ist dieser Trauerprozess nicht, rückgängig zu machen auch nicht. Die Sünden des modernen Menschen sind heute teils in Beton gegossen. Wo einem das Herz aufgeht Aber Silves, Silves selber glänzt, Silves hat sich ganz schön rausgeputzt, ohne überkandidelt zu wirken. Die Gassen sind neu gepflastert, viele Stadthäuser wurden stilvoll und nicht germanisch-perfekt renoviert. Für Leute, die einen Ausflug ins Hinterland der Algarve unternehmen wollen, ist ein Besuch dieses Städtchens sicherlich ein Muss. Vielleicht begeht man dann wieder einmal die Burganlage, wobei es nicht wenig stört, dass man hie und da recht hohen Eintritt bezahlen muss. Aber das Authentische von Silves ist nicht in den Zinnen und der Zisterne versteckt, nicht in der Sandsteinkathedrale. Das Authentische und Symphatische dieses Städtchens entpuppt sich beim kostenlosen Schlendern. Da gibt es zum Beispiel Geschäfte mit Ladeneinrichtungen von 1930, urgemütliche, überhaupt nicht ,,eingerichtete“ Tascas und Kaschemmen, dass einem das Herz aufgeht. Und dann ist da die Markthalle gegenüber der Römischen Brücke. Da herrscht reger Betrieb, vor allem samstags, wenn die Bauern der Umgebung rund um die Halle ihr Gemüse auf Klapptischen feilbieten, oder Setzlinge, Knoblauchzöpfe, Hühner und Hasen. Laut geht es da zu ­ und niemals hektisch. Dem rasch daher staksenden Besucher, durch die herrlichen Gassen eilend, um diese oder jene Kapelle zu finden und auf einer Liste abzuhaken, bleibt dies alles wie durch Zauberhand verschlossen, und das ist gut so. Märchen gibt es heute nämlich auch noch. Blick über den Stausee Was wäre Silves ohne seine Umgebung! Viele kennen leider nicht den großen Stausee Barragem do Funcho. Am besten erreicht man ihn vom relativ kleinen Barragem do Arade aus. Am Anstieg zur Arade-Staumauer gibt es dort eine Kreuzung ohne Markierung. Biegen Sie rechts ab, und Sie erreichen bald das Dörfchen Vale Fuzeiros. Übrigens befindet sich hier das uralte Heiligtum Rocha mit kleinen Aushöhlungen im roten Felsen auf fast hundert Meter Länge. In diesem Dörfchen also biegen Sie links ab zur Barragem do Funcho (ausgeschildert) und kurven hinauf in eine einsame, hügelige Gegend. Zistrosen, Heidekraut, Medronho-Büsche und ein paar mickrige Korkeichen versuchen ihr Gedeihen in diesem heißen Umland. Oben auf einer Hügelkette angekommen, gewinnen Sie eine grandiose Aussicht auf den vielfach verzweigten Stausee und auf verlassene Dörfer, die auf Halbinseln verstreut liegen. Eine ungeteerte Straße führt am Ufer entlang bis in die Gegend des Städtchens São Bartolomeu de Messines. Zum Baden ist der See ein Gedicht. Aber Vorsicht im Hochsommer: Es gibt keinerlei natürlichen Schatten zum Schutz. Rundfahrt durchs Hügelland Um den Norden des Concelho kennen zu lernen, lohnt sich unbedingt diese Strecke: Auf einer endlich ausgebesserten Straße von Silves nach Bastos und weiter durch ein völlig menschenverlassenes Hügelland nach São Marcos da Serra fahren. Stoßen Sie am Ende dieser Straße und noch vor Marcos auf eine T-Kreuzung, biegen Sie links ab, nach einem Kilometer weiter dann wieder links zum Aufstieg in die Serra de Monchique. Auf einer soeben eröffneten (und jahrelang im Bau befindlich gewesenen) Straße erreichen Sie Alferce im Concelho Monchique, über das in der nächsten Ausgabe berichtet wird. Dort können Sie auf einer ebenfalls recht neuen Straße im faszinierenden Tal der Ribeira de Odelouca mit seiner weiträumigen Landschaft zurück und hinunter nach Silves rollen und eine der schönsten Rundfahrten Portugals vollenden.

 

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