Trotz zunehmender Wasserknappheit treibt Portugals Regierung den Bau zweier neuer Staudämme bei Mértola voran. Die staatliche Alqueva-Betreibergesellschaft EDIA hat die Planung und Umweltverträglichkeitsprüfung für die Dämme an den Flüssen Terges e Cobres und Carreiras ausgeschrieben. Während die Gemeinde Mértola das Vorhaben als wichtigen Schritt für die Regionalentwicklung begrüßt, fordert die Umweltorganisation Zero den sofortigen Baustopp.
Zero wirft der Regierung vor, mit vorgeschobenen Studien eine politisch längst getroffene Entscheidung zu legitimieren, die wissenschaftlich und klimapolitisch nicht haltbar sei. Die neuen Staudämme dienten nicht der Sicherung ökologischer Mindestabflüsse, sondern sollten das bereits überlastete Alqueva-System entlasten, um weitere Bewässerungsflächen zu erschließen.
Die Zahlen sprächen eine klare Sprache, so Zero: Bereits heute fließen 95 % des aus dem Alqueva-System abgegebenen Wassers in Landwirtschaftsbetriebe, rund 80 % der bewässerten Flächen entfallen auf Olivenhaine – in einem Land, das doppelt so viel Olivenöl produziert, wie es selbst verbraucht. Gleichzeitig weist das Guadiana-Becken mit einem Wasserknappheitsindex von 51 % den höchsten Wert aller portugiesischen Flussgebiete auf – mit steigender Tendenz.
EDIA begründet die Projekte damit, Winterhochwasser speichern und im Sommer die vereinbarten ökologischen Mindestabflüsse nach Spanien sichern zu wollen, ohne auf die Reserven des Alqueva-Systems zurückzugreifen. Zero hält das angesichts sinkender Niederschläge für eine Illusion. Die Dämme lösten das strukturelle Problem der Übernutzung nicht, sondern ermöglichten erst den weiteren Ausbau der Bewässerungslandwirtschaft – und verschärften damit den Wassermangel.
Besonders scharf kritisiert Zero den Widerspruch zur europäischen Renaturierungspolitik. Während Europa 2025 so viele Flussbarrieren wie nie zuvor beseitigt habe und die EU Portugal verpflichte, bis 2030 insgesamt 25.000 km Flussläufe wiederherzustellen, würden gleichzeitig neue Barrieren errichtet. Auch das nationale Programm ProRios 2030 verfolge gegenteilige Ziele. „Es ist nicht möglich, gleichzeitig Flüsse zu renaturieren und neue Dämme zu bauen“, betont Zero. Die Organisation fordert deshalb die Aussetzung der Ausschreibungen, eine unabhängige Überprüfung des gesamten Alqueva-Systems sowie einen Verzicht auf weitere Dämme in den Guadiana-Zuflüssen.

