Ein Forschungsteam aus Portugal gehört zu den Finalisten des Europäischen Erfinderpreises 2026. Im Mittelpunkt steht der neu entwickelte Antikörper L2A5, der Krebszellen deutlich präziser von gesundem Gewebe unterscheiden kann als bisherige Verfahren. Die Entwicklung gilt als vielversprechender Ansatz für eine gezieltere Krebsdiagnostik und neue Therapieformen. Leiterin des Projekts ist die Biologin Paula Videira von der Fakultät für Wissenschaft und Technologie der Universidade Nova in Lissabon. Gemeinsam mit ihrem Team entwickelte sie einen Antikörper, der bestimmte Zuckerstrukturen, sogenannte Glykane, erkennt, die auf der Oberfläche vieler Tumorzellen vorkommen. Das Besondere: L2A5 bindet ausschließlich an krankhafte Zellen an, während gesundes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Genau diese Unterscheidung zählt zu den größten Herausforderungen der modernen Onkologie. Krebszellen weisen zwar häufig veränderte Molekülstrukturen auf, ähnliche Merkmale finden sich jedoch oft auch auf gesunden Zellen. Dadurch werden Diagnostik und Therapie erschwert. Der portugiesische Antikörper soll dieses Problem durch seine hohe Selektivität überwinden.
Nach Angaben der Forscher eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für präzisere Diagnosen sowie für sogenannte zielgerichtete Therapien, bei denen Wirkstoffe gezielt an Tumorzellen transportiert werden. Die Entwicklung basiert auf langjähriger Grundlagenforschung im Bereich der Krebs-Glykobiologie und entstand in Zusammenarbeit mit dem Portugiesischen Onkologie-Institut in Lissabon sowie dem deutschen Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf.
Für diese Innovation wurde das Team nun als einer von drei Finalisten in der Forschungkategorie des Europäischen Erfinderpreises 2026 nominiert. Der renommierte Wettbewerb des Europäischen Patentamts würdigt jährlich Erfindungen mit besonderer gesellschaftlicher und technologischer Bedeutung.

