Das Naturschutzinstitut ICNF wollte ursprünglich die direkte Leitung des Nationalen Zuchtzentrums für den Iberischen Luchs (CNRLI) in Silves in diesem Monat übernehmen. Nach Kritik des bisher zuständigen Fachteams aufgrund fehlender Übergangszeit wurde diese Entscheidung jedoch revidiert. Statt einer Übernahme beschloss das ICNF nun, den bestehenden Betreibervertrag mit dem seit 16 Jahren tätigen Expertenteam zu verlängern.
Auslöser der Diskussion war die geplante Ablösung des Teams aus 14 hochspezialisierten Fachkräften, darunter Tierärzte, Pfleger und Reproduktionsexperten. Diese hatten vor erheblichen Risiken für das Zuchtprogramm gewarnt. Nach Angaben des Leiters Rodrigo Serra habe bis Mitte Mai keine strukturierte Übergabe begonnen, obwohl der Wechsel unmittelbar bevorstand. Fachleute betonten, ein geordneter Übergang erfordere mindestens ein Jahr, da der biologische Jahreszyklus des Iberischen Luchses sämtliche Prozesse von Paarung, Aufzucht und Monitoring eng strukturiere. Ohne ausreichende Vorbereitung drohten sowohl der Verlust von langjährig aufgebautem Fachwissen als auch Risiken für die Stabilität des Programms.
Auch aus Spanien, das gemeinsam mit Portugal am Artenschutzprogramm beteiligt ist, kamen kritische Stimmen zur geplanten Umstellung.
Parallel dazu stellte die portugiesische Regierung im Mai einen neuen Aktionsplan zum Schutz des Iberischen Luchses für den Zeitraum 2026 bis 2030 vor. Das gemeinsam mit Spanien entwickelte Programm ersetzt den vor sechs Jahren ausgelaufenen Plan und ist Teil der koordinierten iberischen Schutzstrategie. Vorgesehen sind unter anderem neue Populationsziele, der Einsatz moderner Überwachungstechnologien, Verbesserungen der Lebensräume sowie die Fortführung von Wiederansiedlungs- und Zuchtmaßnahmen. Bis 2030 sollen acht neue Populationseinheiten entstehen, darunter die Serra da Malcata in Portugal als künftiges Auswilderungsgebiet.
Trotz positiver Bestandsentwicklung bleibt die Art weiterhin gefährdet. Nach offiziellen Angaben kamen in den vergangenen zehn Jahren 67 Iberische Luchse im Straßenverkehr ums Leben – ein Faktor, der als zentrale Bedrohung für die langfristige Stabilität der Population gilt.

