Mehr als 450 portugiesische Auswanderer haben einen offenen Brief zur Unterstützung der seit Wochen in Portugal stattfindenden Proteste für bezahlbaren Wohnraum unterzeichnet. Veröffentlicht wurde die Initiative von der Associação José Afonso – Núcleo de Bruxelas. Weitere Unterschriften werden gesammelt.
Die Unterzeichner kritisieren die aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Polizeigewalt bei der Auflösung von Demonstrationen in Lissabon und Porto. Unter Verweis auf das Auswanderungsobservatorium erinnern sie daran, dass in den vergangenen 15 Jahren rund 1,2 Millionen Portugiesen das Land verlassen haben. Viele seien ausgewandert, um sich mit ihrem Arbeitslohn angemessenen Wohnraum leisten zu können.
Anlass für die Stellungnahme ist auch eine Äußerung des Präsidenten des Instituts für Wohnungswesen und Stadterneuerung (IHRU). Dieser hatte erklärt, die heutige Jugend sei nicht mehr bereit, Opfer zu bringen, während seine Großeltern und Eltern ausgewandert seien, um sich ein Haus kaufen zu können. Die Unterzeichner betonen ihre Auswanderung dürfe weder glorifiziert noch als selbstverständlicher Weg für junge Portugiesen dargestellt werden.
Sie fordern die Regierung auf, die Anliegen der Protestbewegung umzusetzen. Dazu gehören die Ablehnung des neuen Mietgesetzes, ein Ende von Zwangsräumungen ohne alternative Unterkunft, ein Ende des Aufkaufs von Wohnimmobilien durch Immobilienfonds, mehr öffentlicher Wohnungsbau, die Nutzung leerstehender Immobilien und Mietobergrenzen. Außerdem verlangen sie die Umsetzung des in Artikel 65 der Verfassung verankerten Rechts auf Wohnraum, den Schutz des Demonstrationsrechts und eine politische Aufarbeitung der Polizeigewalt.
Der Brief endet mit dem Appell: „Für ein Portugal, in dem man leben und bleiben möchte. Für ein Portugal, in das wir zurückkehren können.“
Die Associação José Afonso unterstützt zudem eine Solidaritätskundgebung am 10. November um 17.30 Uhr vor der portugiesischen Botschaft in Brüssel. Die von der Gruppe ACAMPADA SOLIDARITY BELGIUM organisierte Veranstaltung wartet noch auf die Genehmigung der Behörden. Sie soll die Protestcamps in Portugal unterstützen. Auch in anderen europäischen Städten, darunter Berlin und Amsterdam, haben sich portugiesische Auswanderer mobilisiert.

