Der Bürgermeister von Albufeira hat einen Baustopp für die geplante Entsalzungsanlage am Praia da Rocha Baixinha verfügt. Umweltministerin Maria da Graça Carvalho erklärte jedoch, dass die Arbeiten unvermindert weitergingen. Sie warf dem Kommunalpolitiker politische Spielchen vor.
Rui Cristina, der für die rechtspopulistische Partei Chega gewählte Bürgermeister von Albufeira, verkündete die Verfügung heute in einem Video in den sozialen Medien. Als Begründung nannte er einen Verstoß gegen den kommunalen Bebauungsplan (Plano Diretor Municipal, PDM).
„Ich möchte, dass diese Lösung unter Einhaltung der Gesetze, mit Rücksicht auf die Umwelt und auf die Menschen in unserer Gemeinde umgesetzt wird“, erklärte Rui Cristina. Er forderte eine Überarbeitung des Projekts: Die Ausleitung der Sole solle über eine längere Leitung und in größerer Tiefe, also weiter von der Küste entfernt, erfolgen.
Die Ankündigung erfolgte ausgerechnet während eines Besuchs von Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho in Faro. Auf Nachfrage von Journalisten relativierte sie den vermeintlichen Baustopp. Ihrer Darstellung zufolge beziehe sich die Verfügung lediglich auf das Grundstück, nicht aber auf die Bauarbeiten. „Keine einzige Maschine hat angehalten“, betonte die Ministerin. Sie müsse den Vorgang zwar noch genauer prüfen, habe aber entsprechende Informationen erhalten.
Zugleich kritisierte Carvalho den Bürgermeister scharf: „Auf politische Spielchen, die die Lösung der Probleme der Algarve verzögern, lasse ich mich nicht ein.“ Sie wertete die Vorgänge als politisches Manöver, räumte aber ein, dass Cristina sich in seinem Video immerhin nicht grundsätzlich gegen den Bau der Entsalzungsanlage ausgesprochen habe.
Die Ministerin bekräftigte, dass sie an Lösungen für die Wasserprobleme der Algarve festhalten werde. Die Region habe bei deren Bewältigung einen Rückstand von 30 Jahren. Zwar liege die Wasserverfügbarkeit in der Algarve derzeit bei 72 %, doch die Entwicklung in anderen Landesteilen zeige, wie schnell sich die Lage ändern könne: Dort sei die Wasserverfügbarkeit noch vor wenigen Monaten ebenfalls hoch gewesen, inzwischen bereite der ausbleibende Regen zunehmend Sorgen.
Carvalho appellierte an alle Bürgermeister, die geplanten Maßnahmen im Interesse der Bevölkerung zu unterstützen.

