Die portugiesische Ärztekammer (Ordem dos Médicos) begrüßt zwar die jüngste Einstellung neuer Hausärzte für den staatlichen Gesundheitsdienst SNS, warnt jedoch davor, den Ärztemangel als gelöst anzusehen. Trotz Fortschritten seien zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um Allgemeinmediziner dauerhaft im SNS zu halten. Im jüngsten Auswahlverfahren wurden alle 711 von den lokalen Gesundheitseinheiten beantragten Stellen ausgeschrieben. Besetzt werden konnten jedoch lediglich 273 Stellen. Nach Angaben der Zentralverwaltung des Gesundheitsdienstes (ACSS) können dadurch rund 400.000 Menschen erstmals einem Hausarzt zugeordnet werden. Dennoch bleibt die Versorgungslage angespannt. Im Mai 2026 hatten weiterhin mehr als 1,6 Mio. Menschen in Portugal keinen Hausarzt. Besonders betroffen ist die Region Lissabon und Tejo-Tal mit rund 1,1 Mio. Betroffenen, während die Versorgung im Norden des Landes deutlich besser ist.
Nach Angaben der Ärztekammer entschieden sich von 441 zugelassenen Bewerbern lediglich 273 für eine ausgeschriebene Stelle. Das sind zwar 42 mehr als im Vorjahr, reiche aber nicht aus, um die strukturellen Probleme des SNS zu lösen. Der Präsident der Ärztekammer, Carlos Cortes, fordert deshalb eine umfassende Aufwertung der Allgemeinmedizin. Dazu gehörten bessere Arbeitsbedingungen, eine leistungsgerechte berufliche Entwicklung sowie Maßnahmen, um Ärzte langfristig an den öffentlichen Gesundheitsdienst zu binden. Zudem verlangt die Ärztekammer den Abbau bürokratischer Aufgaben ohne medizinischen Nutzen, damit Ärzte mehr Zeit für ihre Patienten haben. Weitere Forderungen sind eine kontinuierliche Fortbildung, flexiblere Wechsel zwischen Gesundheitszentren sowie dauerhaft offene Bewerbungsverfahren für unbesetzte Stellen.
Insgesamt hat die Ärztekammer dem Gesundheitsministerium 18 Vorschläge zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung vorgelegt. Nun müsse diesen Plänen rasch konkretes Handeln folgen, um die medizinische Grundversorgung im Land nachhaltig zu verbessern.

