Portugal will mit einem überarbeiteten Straßenverkehrsgesetz härter gegen schwere Verkehrsverstöße vorgehen. Nach Angaben des Innenministers Luís Neves sind rund 70 % des neuen Código da Estrada bereits weitgehend ausgearbeitet.
Neben „sehr konkreten Maßnahmen“ soll das Gesetz laut Neves vor allem ein Umfeld schaffen, „in dem es keine Gefahr sein muss, auf die Straße zu gehen“ und in dem die anderen Verkehrsteilnehmer respektiert werden. Zu den derzeit geprüften Maßnahmen gehört auch, das Fahren mit Geschwindigkeiten von 180 oder 200 km/h künftig als Straftat einzustufen. Bislang handelt es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit.
Die Ausarbeitung eines neuen Straßenverkehrsgesetzes hatte Neves bereits im April als eine von mehreren Maßnahmen zur Senkung der Unfallzahlen angekündigt. Dazu zählen außerdem die Reaktivierung der Verkehrspolizei-Brigade der GNR, die Installation zusätzlicher Radaranlagen sowie unangekündigte Verkehrskontrollen.
Gleichzeitig räumte der Minister damals Verzögerungen bei der Nationalen Strategie für Verkehrssicherheit ein. Das seit 2021 ausstehende Strategiepapier soll dazu beitragen, die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten bis 2030 gegenüber 2019 um 50 % zu reduzieren.
Wie notwendig zusätzliche Maßnahmen sind, zeigt ein aktueller Bericht des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC). Demnach stagniert die Verkehrssicherheit in Portugal. Im Zehnjahresvergleich sank die Zahl der Verkehrstoten pro eine Million Einwohner lediglich von 57 auf 55. Damit liegt Portugal weiterhin deutlich über dem EU-Durchschnitt von 43.
Nach vorläufigen Angaben kamen 2025 insgesamt 589 Menschen bei Verkehrsunfällen in Portugal ums Leben. Weitere 2.476 Menschen wurden schwer verletzt.

