Es ist Sommer – und ausgerechnet jetzt wird die Weihnachtsbeleuchtung in Lissabon zum Politikum. Der Stadtrat der Hauptstadt hat beschlossen, € 750.000 aus dem Tourismusentwicklungsfonds an die Tourismusvereinigung von Lissabon (ATL) zu überweisen, damit diese 2026 die festliche Beleuchtung organisiert und installiert. Die konservative Rathausmehrheit aus PSD, CDS-PP und IL setzte den Vorschlag trotz heftiger Kritik der Opposition durch. Besonders brisant ist die Entscheidung wegen der laufenden „Operação Lúmen“. Im Rahmen der Ermittlungen untersucht die Kriminalpolizei mögliche Korruptionsdelikte, Amtsmissbrauch und Unregelmäßigkeiten bei früheren Aufträgen für Weihnachtsbeleuchtungen. Im März wurden u. a. frühere Verantwortliche der Handelsvereinigung UACS, die bislang für die Beleuchtung zuständig war, als Beschuldigte geführt.
Linke Parteien, Kommunisten und auch die rechtspopulistische Chega werfen Bürgermeister Carlos Moedas mangelnde Transparenz vor. Kritisiert wird vor allem, dass die Vergabe erneut ohne öffentliche Ausschreibung erfolgen soll. Zudem verweisen Oppositionsparteien auf personelle Verbindungen zwischen Rathaus und ATL. Der Tourismusverband wird von António Valle geleitet, einem früheren Kabinettschef des Bürgermeisters. Die Stadtverwaltung verteidigt das Vorgehen als nachhaltiges Modell: Einnahmen aus dem Tourismus würden direkt in Projekte reinvestiert, die Lissabons Attraktivität steigern. Die ATL betont, die Weihnachtsbeleuchtung sei ein wichtiger Anziehungspunkt für Besucher und Einzelhandel. Dennoch dürfte die Debatte über öffentliche Aufträge, politische Nähe und Kontrolle der Tourismusgelder die Stadt noch länger beschäftigen.

