Die portugiesische Kriminalpolizei PJ hat gestern eine mutmaßlich rechtsextreme Gruppierung namens Movimento Armilar Lusitano (MAL) zerschlagen. Sechs Verdächtige wurden festgenommen, darunter ein hochrangiger Polizeibeamter der PSP von Lissabon, der als mutmaßlicher Anführer gilt. Die Gruppe soll versucht haben, eine bewaffnete Miliz aufzubauen. Dafür haben sie über die verschlüsselte Plattform Telegram gezielt Mitglieder rekrutiert – darunter Personen mit Waffenkenntnissen und medizinischer Ausbildung.
Die Ermittlungen der PJ stützen sich auf den Verdacht der Vorbereitung von Gewalttaten gegen das demokratische System. Im Zentrum steht ein Telegram-Kanal mit etwa 900 Mitgliedern, in dem laut den Behörden extremistische Inhalte, Falschinformationen sowie Aufrufe zu Hass und Gewalt verbreitet wurden. In einem Beitrag vom Januar 2025 wurde etwa die Idee geäußert, das portugiesische Parlament zu bombardieren. Die Antiterror-Einheit der PJ (Unidade Nacional de Contraterrorismo) überwachte die Gruppe nach eigenen Angaben bereits seit 2021.
Die Gruppierung entstand laut den Ermittlern während der COVID-19-Pandemie, in Anlehnung an rechtsextreme und neonazistische Bewegungen aus dem Ausland. Einige Mitglieder waren zuvor Teil ähnlicher Strukturen, etwa der inzwischen aufgelösten Nova Ordem Social.
Bei den Durchsuchungen stellte die Polizei ein umfangreiches Arsenal sicher, darunter Schusswaffen – teilweise mit 3D-Drucktechnik hergestellt –, militärische Sprengstoffe, Granaten und mehrere hundert Schuss Munition. Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge lagen laut Polizei bislang nicht vor. Dennoch wurden Ermittlungen wegen mutmaßlicher terroristischer Vereinigung, Aufrufs zu Hass und Gewalt sowie illegalem Waffenbesitz eingeleitet.
Der festgenommene PSP-Beamte war 2013 an einem tödlichen Schusswaffeneinsatz beteiligt, der damals als Notwehr eingestuft wurde. Die PSP von Lissabon kündigte nun ein disziplinarisches Verfahren gegen ihn an.

