Die Bürgermeister von Lissabon und Gaia, Carlos Moedas und Luís Filipe Menezes, fordern die portugiesische Regierung auf, das neue Pfandsystem Volta für Einwegverpackungen sofort auszusetzen. Das System verschärfe soziale Probleme in den Städten und belaste die Stadtreinigung, kritisieren sie. Moedas bemängelte zugleich die Ausgestaltung des Systems. Recycling und Wiederverwendung seien notwendig, dürften aber nicht über eine zusätzliche Abgabe organisiert werden.
Menezes bezeichnete das System als eine „idiotische Idee der EU“.
Umweltministerin Maria da Graça Carvalho wies die Forderung nach einer Abschaffung zurück. Das Pfandsystem sei aufgrund europäischer Vorgaben zur Wiederverwendung von Kunststoffverpackungen verpflichtend. Portugal sei inzwischen eines von 19 EU-Ländern, in denen ein solches System eingeführt worden sei.
Carvalho verwies zudem auf hohe Strafzahlungen wegen der bislang verfehlten Recyclingziele für Kunststoff. Portugal habe in den vergangenen Jahren bereits rund 600 Millionen Euro an die Europäische Kommission zahlen müssen, weil die Vorgaben zur Wiederverwendung von Kunststoff nicht erfüllt worden seien.
Die Ministerin räumte ein, dass das System insbesondere in Städten Probleme verursache. Diese würden jedoch schrittweise behoben. Auch in anderen Ländern sei es gelungen, anfängliche Schwierigkeiten zu lösen.
Zugleich fordert die Regierung nun von SDR Portugal, dem Betreiber des Systems, bis zum 16. Oktober gemeinsam mit den Kommunen konkrete Sofortmaßnahmen zur Behebung der Probleme bei der Stadtreinigung vorzulegen.
Seit der Einführung des Systems am 10. April wurden nach Angaben der SDR Portugal bereits 400 Millionen Kunststoffflaschen über das Pfandsystem zurückgegeben. Für Ende des Jahres habe die Zielmarke bei 40 Prozent gelegen. Inzwischen würden bereits 44 Prozent der Flaschen zurückgegeben.

