Die Stadtverwaltung von Loulé stellt sich entschieden gegen den Bau einer Müllverbrennungsanlagen oder eine deutliche Ausweitung der Mitverbrennung von Abfällen im Zementwerk CIMPOR. In einer offiziellen Stellungnahme an die portugiesische Umwelt- und Energieministerin Maria da Graça Carvalho fordert die Gemeinde zudem mehr Kontrolle über die regionale Mülldeponie in Salir und umfassende Informationen zu den möglichen Auswirkungen der Meerwasserentsalzungsanlage an der Küste von Quarteira.
Bürgermeister Telmo Pinto begründet die Haltung der Gemeinde mit der bereits bestehenden Belastung des Gebiets durch regionale Umweltinfrastrukturen. Loulé dürfe nicht dauerhaft die Lasten tragen, die eigentlich die gesamte Algarve beträfen. „Regionale Solidarität darf nicht bedeuten, dass immer dieselben Gebiete und Bevölkerungsgruppen übermäßig belastet werden“, betont die Stadtverwaltung.
Widerstand gegen zusätzliche Müllverbrennung
Hintergrund ist die Ankündigung der Umweltministerin vom August, wonach die portugiesische Umweltbehörde APA eine Studie zur energetischen Verwertung von Abfällen in der Algarve durchführen soll. Dabei werden auch eine neue Verbrennungsanlage oder eine Ausweitung der Mitverbrennung im CIMPOR-Zementwerk in Loulé geprüft.
Die Gemeinde lehnt solche Pläne grundsätzlich ab. Sie befürchtet zusätzliche Luftverschmutzung, mehr Schwerlastverkehr, Lärm, einen erhöhten Wasserverbrauch sowie Risiken für die öffentliche Gesundheit und die Sicherheit.
Nach Angaben, die von der Umweltministerin vorgelegt wurden, produziert die Algarve jährlich rund 400.000 Tonnen Abfall. Davon landen etwa 85 % auf Deponien – deutlich mehr als der portugiesische Durchschnitt von 56 %. Die Stadtverwaltung sieht die eigentlichen Probleme jedoch in der unzureichenden Abfallvermeidung, Mülltrennung und Wiederverwertung. Die Verbrennung sei kein Ersatz für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Loulé kündigt an, alle verfügbaren institutionellen und rechtlichen Mittel einzusetzen, um eine zusätzliche Verbrennungskapazität im Gemeindegebiet zu verhindern.
Deponie in Salir: Forderung nach unabhängiger Kontrolle
Auch die regionale Mülldeponie in Salir steht in der Kritik. Seit mehr als 20 Jahren nimmt sie Abfälle aus großen Teilen der Algarve auf. Die Stadtverwaltung verweist auf frühere Probleme mit Sickerwasser, Wasserqualität, Geruchsbelästigung, verstreuten Abfällen und der geotechnischen Stabilität der Anlage.
Die Gemeinde verlangt deshalb eine unabhängige Überprüfung der bisherigen Auflagen und Maßnahmen. Außerdem fordert sie Zugang zu Kontrollberichten, Monitoringdaten und Informationen darüber, welche Umweltauflagen bereits umgesetzt wurden.
Langfristig müsse ein verbindlicher Zeitplan zur Verringerung der Deponierung und zur Prüfung alternativer Lösungen für die gesamte Region entwickelt werden.
Entsalzungsanlage: Schutz der Küste von Quarteira
Bei der Meerwasserentsalzungsanlage an der Küste des benachbarten Albufeira stellt sich Loulé nicht grundsätzlich gegen das Projekt. Die Gemeinde erkennt an, dass die Algarve angesichts zunehmender Wasserknappheit zusätzliche Wasserquellen benötigt.
Allerdings müsse sichergestellt werden, dass die Anlage keine negativen Folgen für Strände, Fischerei und die maritime Wirtschaft hat.
Loulé fordert detaillierte Informationen über die Auswirkungen der salzhaltigen Rückstände auf das Meer, die Sedimentdynamik und die Küstenbereiche bei Vilamoura und Rocha Baixinha. Auch die Ergebnisse der Umweltüberwachung und konkrete Grenzwerte für notwendige Korrekturmaßnahmen sollen offengelegt werden.
Streit um die Verteilung der Umweltlasten
Die Gemeinde sieht in den drei Infrastrukturprojekten eine grundsätzliche Frage der regionalen Gerechtigkeit. Während die Anlagen der gesamten Algarve dienen, konzentrierten sich die Umweltbelastungen auf eine Gemeinde – Loulé.
Zudem warnt Loulé vor möglichen Folgen für das touristische Image der Region. Saubere Strände, ein intaktes Meer und eine attraktive Landschaft seien zentrale wirtschaftliche Ressourcen der Algarve.
Bürgermeister Telmo Pinto fordert deshalb eine ausgewogenere Verteilung der Umweltinfrastrukturen und eine stärkere Beteiligung der Gemeinden an regionalen Entscheidungen.
Die Stadtverwaltung hat die Umweltministerin um ein dringendes Treffen gebeten, um die drei Themen zu erörtern. „Wir sind bereit, an Lösungen mitzuwirken. Bereitschaft zur Zusammenarbeit bedeutet jedoch nicht Zustimmung“, lautet die Position der Gemeinde.

