Bei einem Polizeieinsatz zur Räumung besetzter öffentlicher Plätze sind in der Nacht zum 20. Oktober in Lissabon 55 Menschen festgenommen und zwei Personen verletzt worden. Die Polizei beschlagnahmte 228 Zelte auf dem Rossio-Platz, auf dem Demonstranten gegen die Wohnungsnot protestiert hatten.
In Porto baute die dort campierende Gruppe ihr Lager angesichts polizeilicher Drohungen selbst ab. Zwischenfälle wurden diesmal nicht gemeldet.
Nach einer Volksversammlung beschlossen die Demonstranten in der Lissabonner Innenstadt, ihr Camp vorerst aufzulösen und um 19 Uhr zum Rossio-Platz zurückzukehren. Sie rufen die Bevölkerung dazu auf, sich den Protesten anzuschließen.
Die Proteste hatten am 10. Oktober in Porto begonnen, wo Demonstranten ein Zeltlager errichtet hatten. Bei dessen gewaltsamer Räumung durch die Polizei am 15. Oktober wurden fast 40 Menschen verletzt. Aus Solidarität errichteten Hunderte Menschen am folgenden Abend ein weiteres Camp auf dem Rossio-Platz in Lissabon und Tausende schlossen sich ihnen in beiden Städten an. Am 17. Oktober fanden friedliche Kundgebungen in Lissabon, Porto, Coimbra und Faro statt.
Die Protestierenden fordern die Rücknahme des Mietreformgesetzes, das in seiner endgültigen Fassung mit den Stimmen rechter Parteien verabschiedet wurde. Es sieht unter anderem weniger Einschränkungen bei Mieterhöhungen, schnellere Räumungen und größere Spielräume für Vermieter bei Kautionen und Mietvorauszahlungen vor. Darüber hinaus verlangen die Demonstranten ein Verbot des Wohnungskaufs durch Immobilienfonds, eine Mietobergrenze und den Ausbau des öffentlichen Wohnungsbaus.
Offiziellen Zahlen zufolge sind die Mieten in Portugal innerhalb von zehn Jahren um 124 Prozent gestiegen – etwa doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind junge Menschen sowie die Bewohner von Lissabon, Porto und der Algarve.
Die Bewegungen „Casa para Viver“ und „Pelo Direito à Habitação“ rufen die Gewerkschaften dazu auf, einen iberischen Generalstreik am 11. November zu organisieren. Zudem mobilisieren sie zu einer Demonstration in Portugal am 14. November.

