Mit dem am 22. September veröffentlichten Despacho Nr. 11629/2026 hat Portugal einen nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der invasiven Alge Rugulopteryx okamurae für den Zeitraum 2026 bis 2030 beschlossen. Die aus dem Nordpazifik stammende Art gilt als erhebliche Bedrohung für die portugiesische Küste und beeinträchtigt unter anderem Ökosysteme, Fischerei und Tourismus.
Kern des Plans sind eine frühzeitige Erkennung neuer Vorkommen, eine schnelle Eindämmung sowie Maßnahmen zur Verringerung der Auswirkungen in bereits betroffenen Gebieten. Eine vollständige Ausrottung gilt wegen der hohen Ausbreitungsfähigkeit der Alge als praktisch nicht möglich. Umweltministerin Maria da Graça Carvalho erklärte dazu, es sei „nicht realistisch, die Ausrottung dieser Alge zu versprechen“. Stattdessen müsse auf Prävention und ein schnelleres Eingreifen gesetzt werden.
Vorgesehen ist unter anderem eine landesweite, georeferenzierte Datenbank, mit der die Verbreitung der Alge erfasst werden soll. Hinzu kommen Überwachungsstationen an strategischen Standorten, Unterwassersensoren und ferngesteuerte Kameras in besonders gefährdeten Bereichen. Satellitenbilder und Drohnen sollen ebenfalls zur Überwachung eingesetzt werden. Algorithmen sollen zudem anhand von Meeresströmungen und Wind die mögliche Drift der Algen vorhersagen.
Auswirkungen auf Fischerei und Strände
Rugulopteryx okamurae steht auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung. Zu den dokumentierten Folgen gehören sinkende Fangmengen, Schäden an Fanggeräten und ein höherer Reinigungsaufwand dieser. Große Mengen angeschwemmter Algen können zudem die Nutzung von Stränden beeinträchtigen und für Gemeinden zusätzliche Kosten bei der Beseitigung verursachen.
Für Fischerei und Aquakultur sieht der Aktionsplan unter anderem Reinigungsvorgaben für Ausrüstung vor, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Gesammelte Biomasse soll in Containern in den Häfen zwischengelagert werden können. Außerdem ist eine spezielle Unterstützung für besonders stark betroffene Betriebe vorgesehen.
Die Entfernung der Alge soll an die jeweiligen örtlichen Bedingungen angepasst werden. Infrage kommen unter anderem manuelle und mechanische Verfahren, die Entnahme direkt aus der Wassersäule sowie Barrieren, mit denen angeschwemmtes Material verhindert oder gezielt konzentriert werden kann. Bei der Auswahl der Methode sollen unter anderem die Menge der Algen, die Zugänglichkeit des Strandes, geschützte Arten, die Seebedingungen und die Intensität der Strandnutzung berücksichtigt werden.
Der Plan umfasst darüber hinaus Forschungen zur Verwertung der gesammelten Biomasse, darunter deren biochemische Charakterisierung und Machbarkeitsstudien für lokale Verarbeitungsanlagen. Geplant sind außerdem ökologische Renaturierungsprojekte in betroffenen Gebieten und Tests neuer Sammeltechnologien.
Besonders betroffen sind bislang die Algarve- und zunehmend auch die Alentejo-Küste. Der nationale Aktionsplan soll bis 2030 zugleich den Rahmen für regionale und kommunale Programme bilden.
In Lagoa soll nun unmittelbar eine neue Methode zur Entfernung der Alge getestet werden. In der Praia do Carvoeiro findet vom 28. September bis 2. Oktober eine Pilotaktion zur Eindämmung der Auswirkungen von Rugulopteryx okamurae statt.
Carvoeiro gehört zu den besonders betroffenen Gebieten. Im September 2022 waren dort im Zusammenhang mit dem außertropischen Zyklon Danielle rund 440 Kubikmeter Algen angeschwemmt worden.
Statt der bislang üblichen mechanischen Räumung des Strandes, bei der auch große Mengen Sand abgetragen werden und der Strand zeitweise nur eingeschränkt genutzt werden kann, soll bei dem Pilotprojekt eine Absaug- und Sammelmethode direkt in der Wassersäule erprobt werden.
Lagoas Bürgermeister Luís Encarnação bezeichnete die Verabschiedung des nationalen Aktionsplans als wichtigen Schritt für die Gemeinde und die Küstenkommunen. Entscheidend sei, direkt im Meer anzusetzen, Anschwemmungen möglichst vorherzusehen, neue Entfernungstechniken zu entwickeln und Möglichkeiten zur Verwertung der gesammelten Biomasse zu finden.


