Das Zentrum für Meereswissenschaften CCMAR der Uni Algarve (UAlg) hat ein neues Projekt ins Leben gerufen, das die an der Hochschule entwickelte Wissenschaft aufwerten und näher an die Praxis bringen soll. Das neu gegründete Meeresobservatorium der Algarve (OMA) verfolgt das Ziel, „Wissenschaft in den Dienst der Unternehmen zu stellen“ – zum Auftakt vor allem in Zusammenarbeit mit der Hotelbranche, wie Daniela Fazenda, Innovationsmanagerin des Projekts, erklärte.
Das Projekt will die Algarve zu einem Modell für ökologische und wirtschaftliche Nachhaltigkeit machen und die Umstellung auf nachhaltigere Praktiken beschleunigen. Im Mittelpunkt steht das Prinzip ESG – die Abkürzung für Environmental, Social and Governance (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Dieses Konzept wurde 2004 im Rahmen des Global Compact der Vereinten Nationen eingeführt. Es definiert Kriterien zur Bewertung von Unternehmen jenseits finanzieller Kennzahlen und verpflichtet sie zu verantwortungsvollem Handeln in den genannten Bereichen.
Die europäische Gesetzgebung begann mit börsennotierten Unternehmen, hat inzwischen aber eine Kettenreaktion ausgelöst, die auch andere Firmen zunehmend betrifft. Vor diesem Hintergrund sah das CCMAR im ESG-Rahmen eine Chance, wie Daniela Fazenda erläutert: „Wir verfügen über genau die Lösungen, die Unternehmen brauchen – und gleichzeitig schützen wir das wichtigste Kapital der Region: das Meer.“
Das OMA soll künftig als Gütesiegel fungieren – ein Qualitätsnachweis, der Unternehmen bei der ESG-Berichterstattung glaubwürdiger macht. Im Fokus stehen zunächst größere Hotelgruppen. Mit diesen möchte das Observatorium seine wissenschaftliche Expertise wirtschaftlich nutzbar machen. „Wir können zum Beispiel Mikroplastik analysieren – mithilfe unserer Plattform für Strukturchemie“, erläuterte Fazenda. „Kunden achten heute sehr auf Mikroplastik. Deshalb ist es für Hotels interessant, wenn die Wasserqualität im Pool nicht nur nach pH-Wert, sondern auch auf Mikroplastik geprüft wird.“
In Gesprächen mit Unternehmen entstanden bereits konkrete Arbeitspläne. Daraus wurde ein Portfolio mit fünf Kooperationsmodellen entwickelt. Schlüsselfertige Projekte: Wissenschaftler entwickeln spezifische, praxisnahe Umweltlösungen im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen. Investitionen in laufende Forschungsprojekte, etwa zur Wiederherstellung von Seegraswiesen, nachhaltige Fischerei oder zur Überwachung des Klimawandels. Fortbildungsangebote, Workshops und Fachgespräche zu Themen wie Meeresökologie, naturbasierte Lösungen und nachhaltiges Wirtschaften. Erlebnisse für Gäste und Kunden: z. B. durch wissenschaftliche Veranstaltungen, Aktivitäten oder Kampagnen rund ums Meer. Zuletzt die Teilnahme an einem kollaborativen Netzwerk aus Unternehmen, Forschenden und Institutionen, das gemeinsam Einfluss auf Umweltpolitik nimmt und den Schutz mariner Ökosysteme fördert.
Das Meeresobservatorium der Algarve will ein „Motor des Wandels“ sein – kein Feigenblatt für Greenwashing, sondern ein Ort, an dem authentisch und fundiert an Nachhaltigkeit gearbeitet wird.

