Die Europäische Kommission plant den Bau sogenannter Energie-Autobahnen, um die Energieinfrastruktur in der EU entscheidend zu verbessern – ein Vorhaben, von dem besonders Portugal und Spanien profitieren sollen. Ziel ist es, kritische Engpässe zu beseitigen und die bislang schwach angebundene Iberische Halbinsel stärker mit dem europäischen Energiemarkt zu vernetzen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte die neue Initiative in ihrer Rede zur Lage der Union im Europäischen Parlament in Straßburg an. Laut dem EU-Energiekommissar Dan Jørgensen stehen Portugal und Spanien ganz oben auf der Prioritätenliste: „Beide Länder brauchen dringend bessere Verbindungen – das ist eine unserer Hauptprioritäten.“ Geplant sind unter anderem elektrische Interkonnektoren durch die Pyrenäen sowie ein südwestlicher Wasserstoffkorridor, um grünen Wasserstoff effizient vom Produktionsort zur Industrie zu transportieren.
Jørgensen betonte, dass erneuerbare Energien nur dann ihr volles Potenzial entfalten können, wenn die Stromnetze grenzüberschreitend verbunden sind: „Ohne bessere Vernetzung sinken die Energiepreise nicht in dem Maß, wie sie könnten.“ Ein Aktionsplan der EU-Kommission soll im Herbst folgen, inklusive finanzieller Anreize für Mitgliedstaaten. Besonders der großflächige Stromausfall vom 28. April auf der Iberischen Halbinsel habe die Dringlichkeit gezeigt: „Je besser wir vernetzt sind, desto geringer das Risiko solcher Blackouts.“
Obwohl Frankreich bisher bei zusätzlichen Interkonnektoren zögerte, zeigt sich Jørgensen optimistisch: Auch Frankreich habe Interesse an einem gut verbundenen europäischen Energiemarkt. Portugal fordert bereits seit Jahren eine Erhöhung seiner Energievernetzung auf mindestens 15 % bis 2030, ein Ziel, das auch die EU insgesamt verfolgt. Derzeit liegt die Anbindung der Iberischen Halbinsel bei unter 3 %. Der Ausbau gilt als zentral für mehr Energiesicherheit, niedrigere Preise und die erfolgreiche Energiewende in Europa.

