Ein strukturelles Problem spitzt sich im nationalen Gesundheitsdienst (SNS) weiter zu: Immer mehr Menschen bleiben nach medizinischer Entlassung in Krankenhäusern – nicht aus gesundheitlichen, sondern aus sozialen Gründen. Im März waren landesweit 2.807 Menschen betroffen, ein Anstieg um 19 % binnen eines Jahres. Diese sogenannten internamentos sociais (sozialen Hospitalisierungen) binden inzwischen rund 13,9 % aller Krankenhausbetten im staatlichen SNS.
Der Grund: Es fehlen Anschlusslösungen – etwa Pflegeplätze, soziale Betreuung oder Unterstützung im häuslichen Umfeld. Besonders häufig scheitert die Entlassung an Engpässen in der nationalen Pflege- und Versorgungsstruktur. Die Folgen sind gravierend. Die ungewollten Langzeitaufenthalte verursachen Kosten von über € 350 Mio. jährlich und belasten die ohnehin angespannte Versorgungslage zusätzlich. Experten sprechen bereits von einem „angekündigten Tsunami“, der nur durch ein koordiniertes Vorgehen von Staat und sozialen Trägern verhindert werden könne. Diskutiert werden neue Lösungsansätze: Neben dem Ausbau von Pflegekapazitäten steht auch ein jährlicher Zuschuss für Familien im Raum, um die Betreuung von Angehörigen außerhalb der Kliniken zu ermöglichen. Ziel ist es, die Verweildauer im Krankenhaus zu verkürzen und Betroffene schneller in geeignete Versorgungsstrukturen zu überführen.
Die Zahlen zeigen: Solange soziale Infrastruktur fehlt, werden Krankenhäuser zunehmend zur Ersatzlösung – mit hohen Kosten und wachsendem Druck auf das gesamte System.

