Hunderte Studierende sind heute in Lissabon auf die Straße gegangen, um gegen die hohen Kosten eines Studiums zu protestieren. Anlass war der Nationale Studierendentag. Im Zentrum der Demonstrationen standen vor allem steigende Wohnkosten sowie Studiengebühren. Währenddessen verteidigte Bildungsminister Fernando Alexandre eine Erhöhung der Studiengebühren.
Die Studierenden fordern ein gebührenfreies Hochschulsystem und eine deutliche Ausweitung der sozialen Unterstützung. „Das Studium darf nicht vom Geldbeutel abhängen“, lautete eine der zentralen Botschaften. Besonders die Kosten für Unterkunft gelten als größtes Problem: In Städten wie Lissabon oder Porto zahlen Studierende für ein Zimmer oft zwischen 400 und 500 Euro im Monat.
Die Studierendenvertretungen betonen, dass die Abschaffung der Studiengebühren seit jeher zu ihren Kernforderungen gehört. Gleichzeitig fordern sie mehr staatliche Unterstützung, insbesondere beim Zugang zu Wohnraum.
Parallel zu den Protesten verteidigte Bildungsminister Fernando Alexandre die Linie der Regierung. Studiengebühren seien „eine wichtige Finanzierungsquelle“ für Hochschulen, sagte er nach einem Treffen mit Studierendenverbänden. Sie stärkten die Autonomie der Einrichtungen und verringerten deren Abhängigkeit vom Staat. Der Minister sprach sich zudem dafür aus, die Gebühren künftig an die Inflationsrate anzupassen, da ihr realer Wert in den vergangenen Jahren gesunken sei.
Beim Thema Wohnraum räumte der MInister Handlungsbedarf ein. Die Regierung plane, die Zahl der Plätze in Studentenwohnheimen deutlich zu erhöhen. Bis September sollen rund 14.000 zusätzliche Betten entstehen, langfristig seien über 18.000 vorgesehen. Dennoch gestand der Minister ein, dass dies das Problem nicht vollständig lösen werde. Derzeit studieren rund 175.000 junge Menschen fern ihres Wohnortes.
Die angespannte Lage zeigt sich auch in aktuellen Zahlen: Im Studienjahr 2025/2026 haben sich mit 47.796 deutlich weniger Studierende neu eingeschrieben als im Vorjahr (58.641) – der niedrigste Wert seit 2016. Gleichzeitig steigt die Zahl der Studienabbrüche: Rund 11 % der Erstsemester geben ihr Studium auf, vor allem aus finanziellen Gründen.
Neben den Kosten nannten die Demonstrierenden weitere Probleme, darunter unzureichende soziale Unterstützung und strukturelle Ungleichheiten im Hochschulsystem. Trotz inhaltlicher Differenzen bei den Studiengebühren bewerteten Studierendenvertreter Reformpläne zur sozialen Förderung grundsätzlich positiv – entscheidend sei nun eine schnelle Umsetzung.

