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Nach den Wahlen im Mai brachte die Partei Iniciativa Liberal (IL) den Vorschlag einer Verfassungsrevision ein. Die Partei Chega unterstützt dieses Vorhaben, während sowohl PSD als auch PS deutlich gemacht haben, dass eine Verfassungsänderung derzeit keine Priorität hat. Laut einer Umfrage lehnen 51 % der Befragten die Einleitung eines solchen Verfahrens ab, während 41 % dafür sind.
Besonders unter den Wählern der PS und der Partei Livre sowie bei älteren Menschen überwiegt die Ablehnung. Die Anhängerschaft von AD (dem Bündnis aus PSD und CDS) und IL zeigt sich dagegen gespalten, tendiert aber eher zur Unterstützung – im Einklang mit den klaren Positionen der Chega-Wählerschaft. Betrachtet man die gesellschaftlichen Gruppen, zeigt sich bei jungen Menschen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Befürwortern und Gegnern der Revision. Während Personen aus höheren sozialen Schichten tendenziell gegen Verfassungsänderungen sind, befürworten vor allem Menschen aus einkommensschwächeren Gruppen eine Reform.
Den Befragten wurden 15 Themen für mögliche Änderungen vorgeschlagen, wobei besonders der Ausbau oder die Begrenzung der Befugnisse des Staatspräsidenten und das Wahlrecht ab 16 Jahren (überraschenderweise von der Mehrheit der Jugendlichen abgelehnt) auf Widerstand stoßen.
Deutlich mehr Zustimmung finden hingegen Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz und Rechenschaftspflicht im Justizwesen (80 %), die Einführung von elektronischer Briefwahl (ebenfalls 80 %), die Möglichkeit, den Ausnahmezustand aus Gründen der öffentlichen Gesundheit verfassungsrechtlich zu verankern (79 %), eine Justizreform (72 %), eine Reduzierung der Anzahl der Parlamentsabgeordneten (über Parteigrenzen hinweg mehrheitlich befürwortet) sowie ein größerer Beitrag der Streitkräfte zur inneren Sicherheit (72 %).
Etwas weniger Zustimmung erfährt die Einführung von Ein-Personen-Wahlkreisen, auch wenn diese noch von 67 % befürwortet werden. Vorschläge aus dem Programm der Chega – etwa lebenslange Haftstrafen für besonders schwere Verbrechen (55 %) oder die verpflichtende chemische Kastration für rückfällige Sexualstraftäter (48 %) – stoßen auf mehr Ablehnung.

