Steigende Treibstoffkosten und eine Flut von Importen aus Nicht-EU-Ländern setzen die Zitrusbranche in der Algarve unter Druck. Die laufende Saison dürfte deshalb hinter den Erwartungen der Erzeuger zurückbleiben. Nach Einschätzung des Branchenverbands Algarorange wird die Ernte zwar voraussichtlich das Vorjahresniveau von rund 320.000 Tonnen erreichen, die Einnahmen der Produzenten dürften jedoch geringer ausfallen.
Die Saison endet am 30. September. Rund 35 bis 40 Prozent der Ernte sollen exportiert werden. Zu Saisonbeginn waren die Erwartungen an die erzielbaren Preise noch hoch. Im Jahresverlauf wurden jedoch vor allem die stark gestiegenen Treibstoffkosten zum Problem. Sie verteuerten Produktion und Transport und belasteten zugleich die Kaufkraft der portugiesischen Verbraucher.
Zusätzlichen Druck erzeugten deutlich höhere Importe, insbesondere aus Ägypten und Südafrika. Vor allem ab April und Mai gelangten größere Mengen auf den europäischen Markt. Nach Angaben von Diana Ferreira, Vizepräsidentin von Algarorange, konnten die beiden Länder ihre Erzeugnisse wegen der Krise in der Straße von Hormus nicht wie gewohnt gleichzeitig in Europa und im Nahen Osten absetzen. Ein größerer Teil der Produktion sei deshalb auf den europäischen Markt gelangt.
Algarorange fordert nun mehr Schutz für die heimischen Erzeuger. Verbraucher müssten stärker über die Unterschiede bei Produktionsstandards informiert werden, so Ferreira. Zitrusfrüchte aus der Algarve würden unter europäischen Umweltauflagen produziert, während in bestimmten Importländern weiterhin Wirkstoffe eingesetzt würden, die in der EU verboten sind.
Hinzu kommen deutlich niedrigere Arbeitskosten in den Herkunftsländern. Der Verband fordert deshalb von Portugal und der EU, die Einfuhren aus Drittstaaten besser zu kontrollieren und für fairere Wettbewerbsbedingungen zu sorgen.

