Die Zahl invasiver beziehungsweise eingeschleppter Meeresarten in portugiesischen Gewässern ist innerhalb von zehn Jahren um 75 % gestiegen. Das geht aus einer neuen Studie von 31 Forschern aus elf portugiesischen Universitäten und weiteren Organisationen hervor, die im Fachmagazin „Marine Pollution Bulletin“ veröffentlicht wurde. Waren vor zehn Jahren noch 133 nicht heimische Arten erfasst worden, sind es inzwischen 231. Davon wurden 159 auf dem portugiesischen Festland, 81 auf den Azoren und 62 auf Madeira nachgewiesen. Für die Wissenschaftler ist die Entwicklung besonders besorgniserregend, da die zusätzlichen Funde nicht allein auf eine bessere Erforschung der Gewässer zurückgeführt werden können. Als wichtigste Ursache gilt die Schifffahrt. Organismen können sich am Rumpf von Schiffen festsetzen oder mit dem Ballastwasser über große Entfernungen transportiert werden. Auch die Aquakultur birgt Risiken, etwa wenn neue Arten eingeführt werden oder andere Organismen mit ihnen eingeschleppt werden.
Die Forscher fordern deshalb vor allem eine bessere Prävention und Überwachung. Zwar verpflichtet ein internationales Abkommen zur Behandlung von Ballastwasser vor dessen Einleitung. Nach Angaben der Wissenschaftlerin Paula Chainho vom Centro de Ciências do Mar e do Ambiente (Mare) fehlen in Portugal jedoch offizielle Berichte darüber, wie diese Vorgaben umgesetzt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Hafen von Sines, der aufgrund seiner Lage an wichtigen Schifffahrtsrouten zwischen Asien, dem Mittelmeer, den USA und Afrika als strategischer Einfallspunkt gilt. Neu ist eine Beobachtungsliste mit 22 potenziellen invasiven Arten, die ausschließlich mithilfe von Umwelt-DNA entdeckt wurden. Das Verfahren könnte künftig als Frühwarnsystem dienen und Arten erkennen, bevor sie mit bloßem Auge nachgewiesen werden.
Japanische teppichmuschel.jpg: Holger Krisp / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

