Portugals Regierung hat für rund € 40.000 eine Plattform erworben, die öffentlich zugängliche Daten aus sozialen Netzwerken und Online-Medien analysieren soll. Offiziell, so Minister António Leitão Amaro, gehe es um eine „moderne Form des Clippings“, um besser zu verstehen, „was die Portugiesen über Themen wie Teuerung, Steuersenkungen oder den Krieg in der Ukraine denken“. Den Vorwurf einer Überwachungsabsicht wies er entschieden zurück.
Doch die Opposition entdeckte eine Funktion namens „Top Authors Leaderboard“, die theoretisch ein Ranking von Journalisten nach ihrem Einfluss erlauben würde. Die Sozialistische Partei (PS) und der linke Bloco de Esquerda (BE) warfen der Regierung daraufhin vor, mit Steuergeldern „individualisierte Profile von Journalisten“ erstellen zu wollen. Der Journalistenverband sprach von einer „gefährlichen Entwicklung“. Die Regierung beteuert, die Plattform werde nicht zur Beobachtung einzelner Journalisten genutzt, und verweist auf seriöse Nutzer wie die UNO oder Amnesty International.

